Nikolaj Karamzin (1766-1826) - ein russischer Europäer
Nikolaj
Michajlovič Karamzin verkörperte in seiner Person
wie kein anderer vor A. S. Pukin die Europa zugewandte
russische Kultur. In dieser ersten deutschsprachigen Biographie
soll gezeigt werden, wie der sprachbegabte Literat sowohl
als Autor "kultureller Übersetzungen" im Zarenreich
als auch als "Dolmetscher" russischer Literatur
in den westlichen Ländern hervortrat. In seinen "Briefen
eines russischen Reisenden" und den von ihm nach der
Französischen Revolution von 1789 herausgegebenen Periodika
informierte er über die Literatur, die Geistesströmungen,
die Sitten sowie die politischen Ereignisse in West- und Mitteleuropa.
Dort wiederum wurde Karamzin durch Übersetzungen seiner
Prosatexte und Dichtungen bekannt. Er galt als namhaftester
russischer Schriftsteller. Die realen Umstände seiner
Reise nach Deutschland, in die Schweiz, nach Frankreich und
England 1789/90, auf der er mit I. Kant, F. Nicolai, K. Ph.
Moritz, J. G. Herder, Ch. M. Wieland, J. C. Lavater und Ch.
Bonnet Gespräche führte, werden der fiktiven Darstellung
des "Reisenden" in den "Briefen" gegenüber
gestellt. Bei dem 1803 vom Zaren zum Reichshistoriographen
berufenen Karamzin ist der Übergang von einer "rhetorischen"
zu einer quellenfundierten wissenschaftlichen Geschichtsschreibung
nachweisbar. Er orientierte sich an dem Bedürfnis seiner
russischen Leser, eine "nationale Erzählung"
über die historischen Anfänge und den Aufstieg des
Landes geliefert zu bekommen. Die europäischen Gelehrten
erwarteten von ihm eine quellengestützte Darstellung
der frühen Geschichte des euroasiatischen Reiches. Karamzin
schuf ein "Netzwerk" in- und ausländischer
Helfer, die in Bibliotheken und Archiven, so auch in Wolfenbüttel,
Quellen einsahen und kopierten. Seine zwölfbändige
"Geschichte des russischen Staates" erscheint wegen
ihrer literarischen Gestaltung noch heute als "Klassiker".
Erstmals wird Karamzins Aufzeichnung "Über das alte
und das neue Russland" (1811) als ein Schlüsseldokument
russischen Denkens in deutscher Sprache herausgegeben.
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Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) |



