Historische Methode und Arbeitstechnik der Magdeburger Zenturien
Kirchengeschichtsschreibung in einem gelehrten
Netzwerk im 16. Jahrhundert.
Mit einer kritischen digitalen Edition der methodischen
Texte
Die
Magdeburger Zenturien (Erstdruck 1559-1574) sind die erste
universal angelegte protestantische Kirchengeschichtsschreibung.
Die innere Ordnung der chronologisch nach Jahrhunderten (centuriae)
unterteilten Bücher erfolgt nach theologisch-inhaltlichen
Stichworten (loci communes). Die Zenturien entstanden unter
der Leitung von Matthias Flacius Illyricus (1520-1575) und
Johannes Wigand (1523-1587) in einem gelehrten Netzwerk, das
alle Arbeitsprozesse von der Materialbeschaffung, Datenauswertung
und Stoffordnung bis zur Drucklegung und Distribution der
Bücher organisierte. Geschult an der Wissenschaftsauffassung
Melanchthons, entwickelten sie ihr Konzept im Umfeld der antikaiserlich
und apokalyptisch argumentierenden Magdeburger "Herrgottskanzlei"
der Interimszeit.
Ziel des Projekts ist es, die Zenturien in die europäische Historiographie- und Wissensgeschichte einzuordnen. Ihr Beitrag an der Ausbildung einer historischen Methode soll aus der zeitgenössischen theologischen Topik hergeleitet und zugleich die Einwirkungen apokalyptischer Herrschaftskritik und französischer humanistischer Legistik auf die kritische Methode untersucht werden. Die Arbeit an den Zenturien unterstützte die Umwandlung der Topik in ein System theologischer Begriffsbildung, das einen hermeneutischen Schlüssel zum Nachweis der rechten Wahrheit in verschiedenen Epochen bereitstellte. Die Normierung der gelehrten Diskussion formte ein Gremium wechselseitiger intellektueller Kontrolle, das auf spätere Wissenschaftsanstalten verweist und dem Profil des Gelehrten in der Frühen Neuzeit eine weitere Facette hinzufügt.
Quellengrundlage bilden die zum großen Teil in der
Herzog August Bibliothek handschriftlich überlieferten
methodischen und organisatorischen Texte, die in einer digitalen
Edition auf der Basis von TEI-P5 mit Textkritik und kurzem
Kommentar aufbereitet werden sollen.
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Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) |



