Obrigkeitskritik und Fürstenberatung:
Die Oberhofprediger in Braunschweig-Wolfenbüttel 1568-1714
In Kooperation mit dem Interdisziplinären Institut
für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit
an der Universität Osnabrück (IKFN)
Internetportal: http://www.oberhofprediger.de
Protestantische
Hofprediger der Frühen Neuzeit agierten in einem Schnittfeld
zwischen höfischer Seelsorge, gelehrten theologischen
Diskursen, institutionalisierter Herrschaftsgestaltung,
Politikberatung und persönlichem Glauben. Sie bildeten
zweifellos eine besonders einflussreiche Gruppe im Spektrum
frühneuzeitlicher Eliten, deren nähere Erforschung
das Verständnis für die politische Kultur, die
Ausbildung moderner Staatlichkeit und die Entwicklungen
von Kirche und Theologie zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert
vertieft.
Den Fragen nach den Aktionsfeldern, Gestaltungsspielräumen
und Handlungsbedingungen der Oberhofprediger des Fürstentums
Braunschweig-Wolfenbüttel wendet sich daher ein interdisziplinäres
Forschungsprojekt zu, welches die Herzog August Bibliothek
(HAB) Wolfenbüttel und das Interdisziplinäre Institut
für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN)
der Universität Osnabrück gemeinsam durchführen.
Im Rahmen des Projektes entstehen drei umfassende biographische
Fallstudien. An der HAB wird eine Monographie über
den ebenso streitbaren wie einflussreichen Hofprediger Basilius
Sattler (1549-1624) verfasst, der mehr als fünf Jahrzehnte
im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel wirkte.
Seine sozialen Aktionsfelder sollen rekonstruiert, Leitvorstellungen,
Strategien und Formen seines Handelns aufgedeckt und damit
zugleich politische Spielräume möglichst präzise
vermessen werden. Am IKFN widmet man sich den Oberhofpredigern
Joachim Lütkemann (1608-1655) und Eberhard Finen (1668-1726).
Der Vergleich dieser drei Studien ermöglicht es, Entwicklungslinien
des Oberhofpredigeramtes über rund 150 Jahre aufzuzeigen.
Ein internationales Arbeitsgespräch soll darüber hinaus in einem interkonfessionellen Zugriff den wissenschaftlichen Austausch über die Hofgeistlichkeit im frühneuzeitlichen Europa intensivieren. Durch einen umfangreichen Digitalisierungsanteil werden außerdem wichtige Schlüsselquellen zum Thema erschlossen und der Forschung online zugänglich gemacht. Durch Gastseminare, einen Sommerkurs und die Entwicklung eines E-Learning-Moduls verfügt das Projekt auch noch über didaktische Komponenten, durch die wissenschaftlicher Nachwuchs an dieses wichtige Forschungsfeld herangeführt wird.



