Konkurrierende Rezeptionen des Altertums im Barock
herausgegeben von Ulrich Heinen
in Verbindung mit Elisabeth Klecker, Hartmut Laufhütte,
Barbara Mahlmann-Bauer, Dirk Niefanger, Sandra Richter,
Wilhelm Schmidt-Biggemann, Johann Anselm Steiger und Guillaume
van Gemert

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung 47.
2011. 2 Bde. 1180 S. (Bd. 1: 656 S., Bd. 2: 524 S.) mit
153 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-06405-7. € 169,-
Der Sammelband macht fundamentale Konflikte des 17. Jahrhunderts
als Reflex antiker Kontroversen lesbar und zeigt hierin
einen bisher übersehenen Ursprung des Streits um Antikenbezug
und Modernität.
Republik gegen Imperium, poetische Freiheit gegen Regelrhetorik,
Kritik gegen Affirmation, Empirismus gegen Schulphilosophie,
Ethik gegen Wirkungsästhetik, Zivilisiertheit gegen
Barbarei, die eine Konfession gegen die andere, die Ausdifferenzierung
der Systeme gegen deren Integration: In bedeutenden Konflikten
der Frühen Neuzeit beriefen sich alle Parteien auf
antike Zeugen. In Wechselwirkung mit diesem Legitimationsbedarf
ereignete sich schon im 16. Jahrhundert eine nicht nur quantitative
Expansion der verfügbaren Altertümer. Aus der
"Antikerezeption" im Singular, die - bei allem
Streit, von dem die antike Überlieferung selbst berichtet
- von der epochalen Einheit der Antike ausgeht, war mehr
und mehr eine "Antikenrezeption" im Plural geworden.
Schließlich war die Fülle verfügbarer antiker
Überlieferungen nur noch enzyklopädisch oder in
spezialwissenschaftlichen Disziplinen zu bewältigen.
Diente die Entscheidung der Frage, "welcher Antike"
man den Vorzug geben wollte, um 1600 der Positionierung
in der eigenen Gegenwart, so liegt in dieser Frage schon
der Keim für die am Ende des 17. Jahrhunderts dominante
Alternative "Antike oder Moderne?". Die mit der
Ideologie der Moderne verbundene neue Normativität
aber sollte um 1700 auch für die Befassung mit den
Altertümern eine methodische, ethische und ästhetische
Homogenisierung erzwingen und deren Resultate an die Stelle
der Pluralität antik begründeter Legitimationsbezüge
der vergangenen Jahrhunderte setzen.



