Wir über uns/Pressemitteilung vom
1. März 2011
Gutenbergbibel zurück in Wolfenbüttel - Neue
Ausstellung zu Kirche und Welt vor der Reformation.
"Reformstau im 15. Jahrhundert? - Kirche und Welt
vor der Reformation": Die neue Ausstellung in der Herzog
August Bibliothek wird am Sonntag, den 6. März 2011,
um 11:30 Uhr in der Augusteerhalle eröffnet. Im Rahmen
dieser Ausstellung wird die Gutenbergbibel aus Göttingen
gezeigt. Landesbischof Friedrich Weber hält den Eröffnungsvortrag
zum Thema "Krisenhafter Zerfall? Zur Situation der
Kirche vor der Reformation".
Im
Jahr 2017 wird das 500jährige Reformationsjubiläum
begangen. Mit der Epoche machenden Veröffentlichung
von Martin Luthers 95 Thesen gegen den Ablass begann am
31. Oktober 1517 eine neue Zeit. Aber die Reformation war
nicht voraussetzungslos. Ihre Protagonisten waren in Denken
und Handeln von Vorstellungen geprägt, die im Weltbild
und in der Religiosität des ausgehenden Mittelalters
verwurzelt waren. Die Ausstellung nimmt den erstaunlichen
Reformwillen im Jahrhundert vor der Reformation in den Blick
- auf eine Welt im Wandel, tief geprägt von einer scheinbar
uniformen Kirchlichkeit und voller Hoffnungen und Ängste,
Bildungsbegeisterung und Jenseitsbezogenheit.
Der von Gutenberg um 1450 erfundene Buchdruck und die Entwicklung
druckgraphischer Techniken wie Holzschnitt und Kupferstich
machten eine ungeahnte Verbreitung von Wissen und Informationen
möglich. Die Geistlichkeit verlor mehr und mehr ihre
Vorrangstellung, die Qualifikation und Eignung der Theologen,
Prediger und Pfarrgeistlichen wurde mit strengeren Maßstäben
gemessen.
Die
Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen stellt
der Herzog August Bibliothek den zweiten Band ihrer Gutenbergbibel
für drei Monate, 6. März bis 30. Mai 2011 zur
Verfügung. Das Göttinger Exemplar der um 1454
gedruckten Bibel zeichnet sich dadurch aus, dass es auf
Pergament gedruckt ist und die Buchanfänge durch besonders
kunstvolle Buchmalerei hervorgehoben werden. Nach Göttingen
gelangte es, als die Universitätsbibliothek in Helmstedt
1809/10 aufgelöst wurde. Als Besitz des Herzogs Julius
war sie seit 1587 Bestandteil der herzoglichen Bibliothek
in Wolfenbüttel und kam 1618 als Geschenk Herzog Friedrich
Ulrichs mit der gesamten Bibliotheca Julia an die Universität
Helmstedt.
In der Ausstellung sind unter anderem die erste gedruckte
Bibel in deutscher Sprache (1466), eine in Rom ausgestellte
Ablassurkunde für die Pfarrkirche St. Andreas in Braunschweig
(1475), Martin Luthers "Thesen gegen die scholastische
Theologie" sowie die Göttinger Gutenbergbibel
(1454; Leihgabe der Staats- und Universitätsbibliothek
Göttingen) zu sehen. Während der sechsmonatigen
Ausstellung wird in den ausgestellten Büchern aus konservatorischen
Gründen teilweise mehrfach geblättert. Wiederholungsbesuche
lohnen sich daher sehr!
Die
Ausstellung ist vom 6. März bis zum 28. August 2011
in der Augusteerhalle und der Schatzkammer der Bibliotheca
Augusta zu sehen.
Eintritt zur Eröffnungsveranstaltung: frei
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10-17 Uhr
Eintritt: 5,-/2,-/1,- Euro
Informationen unter 05331/808-214 oder www.hab.de
Bild 1: Wiedergeburt der antiken Mythologie: Apollo und
Daphne, Buchmalerei, um 1480 (Foto: Herzog August Bibliothek)
Bild 2: Die erste gedruckte Bibel in deutscher Sprache
, Straßburg, 1466 (Foto: Herzog August Bibliothek)
Bild 3: Auferstehung der Toten und Jüngstes Gericht
in der Schedelschen Weltchronik, 1493 (Foto: Herzog August
Bibliothek)