Bestände der ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt weltweit recherchierbar
Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz ermöglicht Kooperation der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel mit dem Landkreis Helmstedt
Mit der großzügigen Förderung durch die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und einem dadurch erheblich gesenkten Eigenanteil des Landkreises Helmstedt ist es nun möglich geworden, den wertvollen alten Bestand der Universitätsbibliothek Helmstedt nach modernen Standards in der Herzog August Bibliothek zu erschließen. Die Werke sind damit im Internet weltweit nachgewiesen und recherchierbar.
Fraglos
zählen zu den bedeutendsten Wissenschaftsdenkmälern
unserer Region die 1576 gegründete Universität
Helmstedt und die zur gleichen Zeit dort entstandene Universitätsbibliothek.
Auch wenn nach der Auflösung der Universität im
Jahr 1810 ein großer Teil der Buchbestände in
die Herzogliche Bibliothek nach Wolfenbüttel gelangte,
verblieb im Helmstedter Juleum eine wertvolle Sammlung,
die die Bedeutung frühneuzeitlicher Wissenschaft und
Gelehrsamkeit an einer der ersten in Norddeutschland gegründeten
protestantischen Universitäten auf exzellente Weise
bezeugt. Heute umfasst die Helmstedter Bibliothek mehr als
35.000 Werke, rund 13.000 davon stammen aus dem 16. bis
frühen 19. Jahrhundert.
In der jetzt begonnenen Katalogisierung werden nicht nur die allgemeinen bibliografischen Angaben wie Verfasser, Titel und Erscheinungsjahr, sondern weitere wichtige Informationen zum Werk wie auch zum einzelnen Exemplar erfasst. So werden etwa die zahlreichen handschriftlichen Einträge und andere Spuren, die die Leser der einst stark genutzten Helmstedter Universitätsbibliothek hinterlassen haben, in dem elektronischen Katalog verzeichnet. Nicht selten kann man die Bände einem Gelehrten zuordnen, der so als Leser- und Forscherpersönlichkeit fassbar wird.
In
der Kooperation der Wolfenbütteler Bibliothek mit dem
Landkreis Helmstedt wird nun durch die Katalogisierung der
im Helmstedter Juleum verbliebenen Bände eine entscheidende
Lücke in der umfassenden Dokumentation der einstigen
Bibliotheca Academia Julia geschlossen. Auf diese Weise
wird schließlich die virtuelle Gesamtrekonstruktion
der bedeutenden Sammlung möglich werden.
Die Bücher kommen in regelmäßigen Lieferungen aus Helmstedt in die Herzog August Bibliothek. Hier übernehmen auf alte Drucke spezialisierte Diplombibliothekare die Katalogisierung, bevor die wertvollen Bücher dann wieder in das Juleum gelangen. Das Projekt läuft seit Dezember 2010 und ist auf einige Jahre angelegt. Selbst in dieser kurzen Zeit wurden bereits etliche seltene Titel entdeckt, deren Nachweis bislang in den deutschen nationalbibliografischen Verzeichnissen fehlte.
Zur Zeit sind die Daten über den Gemeinsamen Verbundkatalog
(GBV) recherchierbar. Der hohe Nutzen für die buch-,
bibliotheks- und wissenschaftsgeschichtliche Forschung ist
unbestritten und das Erschließungsprojekt verbindet
sich hervorragend auch mit einem großangelegten Forschungsprojekt
der Herzog August Bibliothek, das die Geschichte der Universität
Helmstedt aufarbeitet.
Bild 1: Vignette in zahlreichen Drucken der Helmstedter
Sammlung, verwendet zwischen 1592 bis ca. 1750, vermutlich
von dem Drucker und Formschneider Jacob Lucius d. Ä.
(um 1530-1597) geschnitten.
Bild 2: Titelblatt eines Druckes aus der Sammlung im Helmstedter
Juleum mit dem handschriftlichen Besitzeintrag des Helmstedter
Studenten Andreas Rudolph von Schönberg.



