Magdeburger Zenturien - Werkstattgespräch über Kirchengeschichtsschreibung
Harald Bollbuck stellt am Donnerstag, 7. April 2011, um 14:15 Uhr im Seminarraum des Zeughauses sein Forschungsprojekt mit einem Vortrag vor: "Historisierung als Argumentationsmuster: Die Magdeburger Zenturien und ihre Rekonstruktion der Kirchengeschichte". Der Vortrag findet im Rahmen der Werkstattgespräche der Forschungsabteilung der Herzog August Bibliothek statt.
Die
Magdeburger Zenturien waren die erste Kirchengeschichte
aus lutherischer Sicht mit dem Anspruch, eine umfassende
Darstellung von der Apostelzeit bis in die unmittelbare
Gegenwart in der Mitte des 16. Jahrhunderts zu verfassen.
Sie entstanden als eine kollektive Arbeit in den konfessionellen
Auseinandersetzungen im Gefolge der Interimszeit. Die Kirchengeschichtsschreibung
der Zenturien entwickelte sich in einem intellektuell wie
konfessions- und machtpolitisch umkämpften Feld. Historische
Erinnerungsstrategien dienten abgrenzender Polemik und markierten
den Gegner als Vertreter einer vergangenen oder falsch erinnerten
Religion. Der Bezug auf eine historische Kontinuität
konstituierte die Identität einer Glaubensgemeinschaft.
Im Zentrum des Werkstattgesprächs stehen Strategien
und Funktionen der historischen Rekonstruktionsprozesse
in den Zenturien.
Dr. Harald Bollbuck studierte Geschichte, Klassische Archäologie und Latinistik. Nach einer Promotion über norddeutsche Historiographie im 16. Jahrhundert in Kiel arbeitete er an der Herzog August Bibliothek an der Edition "Martin Opitz von Boberfeld. Briefwechsel und Lebenszeugnisse". Seit April 2008 ist er Bearbeiter des Projekts "Historische Methode und Arbeitstechnik der Magdeburger Zenturien", seit September 2010 stellvertretender Leiter der Abteilung Forschungsplanung und Forschungsprojekte.
Bild: Mathias Flacius Illyricus, zeitgenössische Darstellung
(HAB)



