W1 und W2 jetzt im Netz! Digitalisierung der beiden wichtigsten Musikhandschriften des Mittelalters abgeschlossen
In der Handschriftensammlung der Herzog August Bibliothek
Wolfenbüttel werden zwei der bedeutendsten Musikhandschriften
des Mittelalters aufbewahrt. Die in der Fachwelt nur mit
der Abkürzung W1 und W2 bezeichneten Handschriften
überliefern das Repertoire mehrstimmiger Kompositionen,
das sich seit dem 12. Jahrhundert an der Kathedrale Notre
Dame zu Paris herausgebildet hatte. Diese beiden wichtigsten
Musikhandschriften des Mittelalters stehen erstmals frei
zugänglich im Netz zur Verfügung:
http://www.hab.de/bibliothek/wdb/mssdigital.htm.
W1
(Cod. Guelf. 628 Helmst) und W2 (1099 Helmst.) stellen sowohl
einen Brennpunkt der musikwissenschaftlichen Forschung als
auch eine Hauptquelle für die historische Aufführungspraxis
mittelalterlicher Musik dar. Die Polyphonie, bei der sich
im Gegensatz zum einstimmigen gregorianischen Choral, zu
einer Unterstimme gleichzeitig eine oder mehrere Oberstimmen
in freier melodischer Gestaltung entfalten, markiert einen
epochalen Wandel in der europäischen Musikgeschichte.
Das Pariser Repertoire ist in nur vier Handschriften weltweit
nahezu vollständig enthalten. Die beiden Wolfenbütteler
Pergamentkodizes stammen aus dem 13. Jahrhundert und befanden
sich im 16. Jahrhundert im Besitz des Reformationshistorikers
Matthias Flacius Illyricus. In die Herzog August Bibliothek
gelangten sie über die Universitätsbibliothek
Helmstedt.
Eine der seltenen Gelegenheiten, die Bände im Original
zu sehen, bietet sich noch bis Ende Februar 2012 in der
Ausstellung "verklingend und ewig. Tausend Jahre Musikgedächtnis
800 -1800". Die Ausstellung zeigt die Spannung zwischen
verklingender Musik und ihrer Verewigung im Speicher des
Buches. Dazu werden Handschriften, Drucke und Graphiken
aus den Jahren 800 bis 1800 gezeigt. Öffnungszeiten:
4. September 2011 bis 26. Februar 2012 in der Augusteerhalle,
der Schatzkammer, im Kabinett und im Globensaal der Bibliotheca
Augusta, Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr.
Bild1: W1, Cod. Guelf. 628 Helmst 1v

Bild 2: W2, 1099 Helmst 31r



