Wolfenbüttel, 09.09.2026
Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich Bibliotheken von Sammlungs- und Bewahrungsorten zu Institutionen entwickelten, in denen Wissen systematisch organisiert und für unterschiedliche Formen wissenschaftlicher Praxis verfügbar gemacht wurde. Der Begriff der „Nützlichkeit“ bezeichnet dabei eine historisch wandelbare Vorstellung davon, welchen Anforderungen Bibliotheken entsprechen und welchen Beitrag sie zur Wissensproduktion leisten sollten. Zu den geplanten Ergebnissen des auf vier Jahre angelegten Forschungsverbunds gehören drei Monografien, eine Konferenz sowie eine Ausstellung.
„Die Geschichte der Bibliotheken ist auch eine Geschichte darüber, wie Wissen verfügbar gemacht wird“, so Prof. Dr. Peter Burschel, Direktor der Herzog August Bibliothek (HAB). „Im 18. Jahrhundert entwickelten sich repräsentative Sammlungen zunehmend zu Einrichtungen, die die wissenschaftliche Arbeit unterstützten. Dieser Wandel wirkt bis heute nach und prägt auch das Selbstverständnis der HAB als Forschungs- und Studienstätte.“
In drei Teilprojekten untersuchen die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek Hannover sowie die Georg-August-Universität Göttingen und die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen die Entwicklung bibliothekarischer Praktiken und institutioneller Strukturen. Untersucht werden die Wolfenbütteler Hofbibliothek, die Hannoversche Hofbibliothek und die Göttinger Universitätsbibliothek. Die drei Teilprojekte ermöglichen einen vergleichenden Blick auf unterschiedliche institutionelle Konstellationen und machen sichtbar, wie sich bibliothekarische Praktiken im Spannungsfeld von wissenschaftlichen Bedürfnissen, institutionellen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Erwartungen veränderten. Damit nimmt der Forschungsverbund Bibliotheken als aktive Orte der Wissensorganisation und als Akteure historischer Wissensordnungen in den Blick.
Der Forschungsverbund wird im Rahmen von zukunft.niedersachsen vom Land Niedersachsen gefördert.
Laufzeit: 1. September 2026 – 31. August 2030
Kooperationspartner*innen: Prof. Dr. Elisabeth Décultot (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg/Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Aufklärung), Prof. Dr. Markus Friedrich (Universität Hamburg, Geschichte der Frühen Neuzeit), Ass.-Prof. Dr. Mona Garloff (Universität Innsbruck, Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie), Prof. Dr. Julia Schmidt-Funke (Universität Leipzig, Geschichte der Frühen Neuzeit), Prof. Dr. Margarete Vöhringer (Universität Göttingen, Professur für Materialität des Wissens), Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt, Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt, Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Abbildung: Der Unpartheyische Bibliothecarius 1 (1713), Frontispiz. HAB: M: Ea 72., (Foto: HAB)

