Die Bedeutung von Libri ordinarii für Liturgie-, Musik- und Kulturgeschichte ist unumstritten und in den letzten Jahrzehnten in der Forschung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet worden. Die normative Beschreibung der Riten ist an sich schon für die Rekonstruktion des lokalen liturgischen Repertoriums wichtig, sie gibt darüber hinaus Auskunft zu institutionellen Ämtern, architektonischen Entwicklungen und Altären, zu der Verwendung von Kleidern, Textilien und liturgischen Geräten, nicht zuletzt zur sakralen Topographie in Kirche und Stadt, zur verwendeten Sprache, zu neuen Festen und performativen Elementen.

Für die Halberstädter Kirche ist die Edition des Liber ordinarius aus dem 14. Jahrhundert besonders reizvoll, da sowohl wertvolle instrumenta altaris und Reliquiarien als auch Textilien und Handschriften aus dem Mittelalter im Domschatz zu Halberstadt erhalten sind.

Der Liber ordinarius des Domes eröffnet also vielfältige Perspektiven auf das mittelalterliche Halberstadt. In Verbindung mit digitalen Methoden können diese vielschichtigen Aspekte besonders betont werden. Die digitale Edition der handschriftlichen Quelle, angereichert durch einen ausführlichen Kommentar ermöglicht es, materielle, räumliche und kulturelle Aspekte sowie erwähnte Objekte und Gesänge miteinander zu verknüpfen. Ein solcher Wechsel zwischen Quellen und Medien wäre im analogen Raum nur schwer vorstellbar.

Der regelrechte KI-Hype der letzten Jahre hat auch die Forschung erreicht. Die Frage, ob und wie Large Language Models (LLMs) in die Arbeitsprozesse digitaler Editionen integriert werden können, wird im Workshop anhand ausgewählter Fallstudien diskutiert. Dabei steht die Herausforderung im Mittelpunkt, wie begrenzte Ressourcen optimal eingesetzt werden können, ohne die Maßstäbe guter wissenschaftlicher Praxis zu gefährden.

Der Workshop spiegelt die Vielseitigkeit der Quelle wider. Internationale Expert*innen diskutieren diverse Themen der Digital Humanities und historischen Disziplinen. Im Fokus steht dabei stets die Frage, inwiefern sich digitale Methoden zur Erschließung mittelalterlicher Quellen eignen

Das Programm finden Sie rechts im Download-Bereich

 


Bildbeschreibung: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Domschatz Halberstadt, Inv.-Nr. DS474, S. 252, sog. Zemeke-Missale.