Johann Gottfried Eichhorns (1752-1827) deutsche Übersetzung von Ibn Ṭufails Roman „Hai Ebn Joktan“ (1783) und deren Bedeutung für den Diskurs über das Fremde in der deutschen Aufklärung

Mein Forschungsprojekt befasst sich mit der Rolle des arabisch-islamischen Wissens- und Kulturguts im religionsphilosophischen Diskurs des 18. Jahrhunderts. Dabei lässt sich ein ambivalentes Verhältnis zum arabisch-islamischen Orientbild erkennen: Geprägt von religiösen Vorurteilen, stellt es zugleich ein literarisches Faszinosum dar.

Ein besonders prägnantes Beispiel hierfür ist der Göttinger Orientalist und Theologe Johann Gottfried Eichhorn (1752-1827).

1783 legt er mit seiner deutschen Übersetzung von Ibn Ṭufails religionsphilosophischem Roman Ḥayy ibn Yaqẓān – einem Standardwerk der arabisch-andalusischen Literatur des 12. Jahrhunderts – die erste unmittelbare Fassung aus dem Arabischen vor. In der Vorrede seiner Übersetzung betont Eichhorn die Verdienste der Araber in Wissenschaft und Dichtkunst und deren Vorbildfunktion für das Abendland.

In seiner zwei Jahrzehnte später erschienen sechsbändigen Geschichte der Litteratur von ihrem Anfange bis auf die neuesten Zeiten (1805-1813) spricht Eichhorn der arabischen Kultur hingegen jedwede Spur von Originalität ab und bezweifelt sogar ihre Tauglichkeit.

Zur Ergründung von Eichhorns geistiger Widersprüchlichkeit wird der historische, kulturelle und politische Kontext der deutschen Spätaufklärung untersucht.