Negligenda? Spuren mendikantischer Predigttätigkeit in der Wolfenbütteler Herzog August Bibliothek

Predigten sind die mit Abstand größte Quellengruppe, die aus dem Mittelalter auf uns gekommen ist. Ihre Erforschung dient freilich nicht allein der Identifizierung bisher unbekannter Texte, deren Edition und somit der Erweiterung der zur Verfügung stehenden Quellenbasis, sondern strahlt auf andere Bereiche aus: Sermones öffnen den Blick auf unterschiedliche, dem jeweiligen (pastoralen) Kontext geschuldete Wissenskulturen. Mit Blick auf die Bettelorden wird in den Predigten nicht nur ein orthodoxes Ideal, sondern die heterodoxe Realität in der spätmittelalterlichen Stadt verarbeitet. Insofern sind sie stets auch als Beitrag zur Sozial-, Wirtschafts- und Institutionengeschichte des Mittelalters zu verstehen.

Predigthandschriften lagen nicht im Fokus der in Wolfenbüttel betriebenen Sammel- und Erwerbstätigkeit. Und doch sind sie in den Beständen der Herzog-August-Bibliothek präsent – diskret, aber dennoch wahrnehmbar. Dieser Präsenz gilt es nachzugehen.

 

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