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	<title>Presse &#8211; HAB</title>
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	<item>
		<title>Philipp Hainhofers musikalische Reise nach Stettin im Jahr 1617</title>
		<link>https://www.hab.de/philipp-hainhofers-musikalische-reise-nach-stettin-im-jahr-1617/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marie Adler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Oct 2026 05:07:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Info]]></category>
		<category><![CDATA[HABlog]]></category>
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	<div class="fw-col-xs-12">
	<p><span style="color: #808080;"><em>15. Oktober 2026</em></span></p><p>Insbesondere der Pommersche Kunstschrank (1611–1617, Abb. 1) gelangte zu einiger Berühmtheit. Hainhofer hatte das Möbel 1617 selbst bei seinem Auftraggeber Herzog Philipp II. von Pommern-Stettin abgeliefert und darüber einen ausführlichen Reisebericht verfasst.</p></div>
</div>

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	<div class="fw-col-xs-12">
		<div class="article-featured-image">
		<div class="image">
			<span class="descr" style="display: none;">Abb. 1: Pommerscher Kunstschrank, 1611–1617, 1945 zerstört, aus: Julius Lessing und Adolf Brüning (Hrsg.): Der Pommersche Kunstschrank. Kgl. Kunstgewerbe-Museum, Berlin 1905.</span>
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			<span class="txt">Abb. 1: Pommerscher Kunstschrank, 1611–1617, 1945 zerstört, aus: Julius Lessing und Adolf Brüning (Hrsg.): Der Pommersche Kunstschrank. Kgl. Kunstgewerbe-Museum, Berlin 1905.</span>
		</div>
	</div>
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	<div class="fw-col-xs-12">
	<p>Im Rahmen der seit 2020 an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel erscheinenden <a href="https://hainhofer.hab.de/" target="_blank" rel="noopener">digitalen Edition der Reiseberichte</a> konnte jetzt ein <a href="https://hainhofer.hab.de/reiseberichte/stettin1617#fol495r" target="_blank" rel="noopener">Notenkonvolut</a> im Anhang zu diesem Stettiner Reisebericht zugänglich gemacht werden, das für die musikwissenschaftliche Forschung einige Überraschungen bereithält, da es noch nicht verzeichnet und transkribiert ist.</p><p>Die Sammlung von Notenblättern hat bisher nur wenig Aufmerksamkeit erfahren. Lediglich in der grundlegenden <a href="https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00046906-9" target="_blank" rel="noopener">Studie von Joachim Lüdtke zu Hainhofers Lautenbüchern</a> findet sie kurze Erwähnung. Lüdtke führt die Komponistennamen auf und erwähnt die Vielsprachigkeit der Zusammenstellung, verzichtet jedoch auf ein Inventar. Die Kompositionen wurden weder im maßgeblichen Fachportal <a href="https://rism.info/" target="_blank" rel="noopener"><em>Répertoire International des Sources Musicales</em></a> (RISM) verzeichnet noch in der musikwissenschaftlichen Forschung zur Kenntnis genommen. Nun sind sie im Hainhofer-Portal erstmals digital zugänglich.</p><p>Es handelt sich um einen wahren kulturhistorischen Schatz: Huldigungskompositionen sind in dieser Konzentration in einem Manuskript selten überliefert. Sie geben nicht nur Einblick in die musikalische Selbstinszenierung des kunstsinnigen Agenten Hainhofer, sondern lassen auch erahnen, wie selbstverständlich städtische und höfische Musiker in die diplomatischen Netzwerke der Zeit um 1600 eingebunden waren.</p><p>Bislang konnte lediglich eine Parallelüberlieferung festgestellt werden: Das erste Stück, <em>Auxilium meum a Domino</em>, von Christoph Stecher, ist in einer Augsburger Handschrift enthalten, die heute in der Staatsbibliothek in Berlin aufbewahrt wird (Mus. ms. 40028). Wir müssen also davon ausgehen, dass es sich bei den insgesamt 25 Stücken (elf davon sind kurze Kanons) weitgehend um Unica handelt. Textlich basieren viele – aber nicht alle – Sätze auf Gedichten, die 1617 in den in Augsburg gedruckten <a href="https://hainhofer.hab.de/reiseberichte/stettin1617#fol447r" target="_blank" rel="noopener"><em>Carmina gratulatoria</em></a> abgedruckt wurden. Diese Sammlung wurde anlässlich der Reise Hainhofers nach Stettin 1617 erstellt und ist in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel im selben Band eingebunden, der auch die Kompositionen enthält. Ganz im Stil der Zeit sind die <em>Carmina </em>in zahlreichen Sprachen abgefasst. Nicht nur im erwartbaren Latein, Französisch, Italienisch und Deutsch – es finden sich auch spanische, englische, griechische und hebräische Texte. Das Wolfenbütteler Konvolut spiegelt diese Mehrsprachigkeit. Hier finden sich mehrstimmige Vertonungen deutscher, lateinischer, italienischer, französischer, spanischer, englischer, griechischer und hebräischer Texte. Insbesondere die beiden hebräischen Sätze, die im Notentext in einer Transliteration wiedergegeben sind, dürften für Musikhistoriker*innen von besonderem Interesse sein. Es handelt sich um frühe Beispiele von mehrstimmiger Musik in hebräischer Sprache: Im Jahr 1617 befinden wir uns fünf Jahre vor der Publikation der <em>Ha-schirim ’ascher lischlomo </em>(Lieder Salomons) Salomone Rossis (Venedig 1622/1623).</p><p>Eine erste von uns vorgenommene Herstellung der Partitur des Satzes מִי זֶה שֶׁבּוֹאוֹ יֶשׁ שָׁלוֹם (Mi ce schobboo iesch schalom? / Wer ist es, dessen Kommen Frieden bringt?) von Adam Gumpelzhaimer in Partitur (Abb. 2) soll dies veranschaulichen, nicht nur um die kulturhistorische Bedeutung der Sammlung zu unterstreichen, sondern auch um zu demonstrieren, wie die Autoren das Problem des von links nach rechts gelesenen Notentexts und des von rechts nach links gelesenen Hebräischen durch die lateinische Umschrift umgehen.</p></div>
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	<img decoding="async" src="//www.hab.de/wp-content/uploads/2026/09/hablog-kelber-abb-2-1.png" alt="//www.hab.de/wp-content/uploads/2026/09/hablog-kelber-abb-2-1.png" /></div>
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	<div class="fw-col-xs-12">
	<p>Das dreistrophige hebräische Gedicht, in dem es um das Herrscherlob und das Lob Gottes geht, ist in den <em>Carmina gratulatoria</em> enthalten und lautet in Übersetzung durch Maria Revkov (<a href="https://hainhofer.hab.de/reiseberichte/stettin1617#fol482r" target="_blank" rel="noopener">S. 63</a>):</p><p>&nbsp;</p><ol><li>Wer ist dieser, bei dessen Kommen Frieden herrscht<br />Der Hüter, ein Mann ohne jeden Makel<br />Er ist ein Auge für seinen Genossen, für den Fürsten<br />Dessen Stärke alles Fleisch erkennt:</li><li>Möge Gott den Hüter noch beschützen<br />Wie er dich bis hierher gesegnet hat<br />Er erhebe zu dir sein Gesicht<br />Und über dich öffne er seine Augen</li><li>Er gebe zur Ehre des höchsten Fürsten<br />All sein Verlangen in Freude<br />Auch Stärke stelle er auf seine Pfade<br />Seine Seele möge stets im Guten weilen.</li></ol><p>&nbsp;</p><p>Die Aufnahme zweier hebräischer Texte in das Musikkorpus dürfte vor allem aus humanistischen Motiven geschehen sein. In Hainhofers Augsburg gab es so gut wie kein jüdisches Leben, denn die jüdische Bevölkerung wurde bereits Mitte des 15. Jahrhunderts aus der Stadt vertrieben. Den hebräischen Text besorgte folgerichtig der Augsburger Protestant <a href="https://hainhofer.hab.de/register/personen/leonhartus_luzius" target="_blank" rel="noopener">Leonhartus Luzius</a>, der später eine Karriere als Theologe machte.</p><p>Das Thema der Texte ist fast immer das Lob Philipp Hainhofers oder die Huldigung seines prominenten Auftraggebers des Jahres 1617, Herzog Philipp II. von Pommern-Stettin. Anders als im hier zitierten hebräischen Gedicht wird Hainhofers Name fast immer prominent und mehrfach genannt. Wir haben es also mit einer ganzen Kaskade von Gelegenheitskompositionen zu tun, die allesamt um die Reise Hainhofers nach Stettin und die Übergabe des Kunstschranks und anderer Kunstwerke kreisen.</p><p>Zwischen dem als Nr. 6 und dem als Nr. 7 nummerierten Stück finden sich, über die verschiedenen Stimmen verteilt, insgesamt zehn verschiedene Kanons. Zwei davon sind Rätselkanons mit einer zu entschlüsselnden Anweisung (fol. <a href="https://hainhofer.hab.de/reiseberichte/stettin1617#fol516r" target="_blank" rel="noopener">516r</a>, <a href="https://hainhofer.hab.de/reiseberichte/stettin1617#fol520v">520v</a>). Die anderen sind verhältnismäßig schlichte zwei- bis vierstimmige Miniaturen, die nur wenige Takte umfassen. Vertont werden zwei Texte, <em>Soli Deo Gloria</em> und <em>Christo et Rei Publicae</em>. Bei Letzterem handelt es sich um die Devise Philipps II., die auch im Pommerschen Kunstschrank mehrfach Erwähnung findet (<a href="https://hainhofer.hab.de/reiseberichte/stettin1617#fol148v" target="_blank" rel="noopener">fol. 148v</a>, <a href="https://hainhofer.hab.de/reiseberichte/stettin1617#fol158r" target="_blank" rel="noopener">158r</a>, <a href="https://hainhofer.hab.de/reiseberichte/stettin1617#fol170r" target="_blank" rel="noopener">170r</a>): „Für Christus und den Staat“. Auch <em>Soli Deo Gloria</em> (Gott allein die Ehre) spielt in der Repräsentationspolitik Philipps II. um das Jahr 1617 eine wichtige Rolle (<a href="https://hainhofer.hab.de/reiseberichte/stettin1617#fol252v" target="_blank" rel="noopener">fol. 252v</a>).</p><p>Kurze Kanons sind aber auch Teil des Pommerschen Kunstschranks selbst. Als Bekrönung des Schranks ist der Parnass als Skulptur platziert, zu dessen Füßen eine Nymphe sitzt, die sich mit Pallas Athene unterhält. Zu den Füßen der Göttin liegt ein aufgeschlagenes Buch mit Noten – erneut zwei Kanons (Abb. 3).</p></div>
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		<div class="article-featured-image">
		<div class="image">
			<span class="descr" style="display: none;">Abb. 3: Parnass, silberne Bekrönung des Pommerschen Kunstschranks, aus: Julius Lessing und Adolf Brüning (Hrsg.): Der Pommersche Kunstschrank. Kgl. Kunstgewerbe-Museum, Berlin 1905.</span>
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			<span class="txt">Abb. 3: Parnass, silberne Bekrönung des Pommerschen Kunstschranks, aus: Julius Lessing und Adolf Brüning (Hrsg.): Der Pommersche Kunstschrank. Kgl. Kunstgewerbe-Museum, Berlin 1905.</span>
		</div>
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	<div class="fw-col-xs-12">
	<p>Sie vertonen die Texte „Dum vivo spero“ (Solange ich lebe, hoffe ich) und „Miscentur tristia laetis“ (Freude und Leid wechseln miteinander ab), deren Notenbild Hainhofer auch in seinem Bericht aufzeichnet (Abb. 4).</p></div>
</div>

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	<div class="fw-col-xs-12">
		<div class="article-featured-image">
		<div class="image">
			<span class="descr" style="display: none;">Abb. 4: Zwei Kanons aus der Beschreibung des Pommerschen Kunstschranks, in: Philipp Hainhofer, Reise nach Stettin 1617, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 23.2 Aug. 2°, fol. 149v.</span>
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		</div>
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			<span class="txt">Abb. 4: Zwei Kanons aus der Beschreibung des Pommerschen Kunstschranks, in: Philipp Hainhofer, Reise nach Stettin 1617, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 23.2 Aug. 2°, fol. 149v.</span>
		</div>
	</div>
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	<div class="fw-col-xs-12">
	<p>Die zwei Miniaturen, die auf den Kunstschrank graviert wurden, sind den zehn Stücken aus dem Notenteil bemerkenswert ähnlich, was freilich zu Spekulationen einlädt. Die Frage, welche Rolle kanonische Vertonungen der Devise Herzog Philipps II. auf der Reise Hainhofers nach Stettin gespielt haben könnten, drängt sich geradezu auf.</p><p>Der noch nicht bearbeitete Notenteil der Stettiner Reise von 1617 soll unter der Federführung der Gesellschaft für Bayerische Musikgeschichte in Person von Moritz Kelber, Franz Körndle und Bernhold Schmid vollständig erschlossen und innerhalb der digitalen Hainhofer-Edition als maschinenlesbares Notenmaterial bereitgestellt werden.</p><p>&nbsp;</p><p><span style="color: #808080;"><em>Titelbild: Philipp Zindelin, „Canzon Inglese“: Vnto you Philip Ainhoffer, most Vertouous, Cod. Guelf. 23.2 Aug. 2°, fol. 477v.</em></span></p><p>&nbsp;</p></div>
</div>

<div class="fw-row">
	<div class="fw-col-xs-12">
	<h2>Die Autoren</h2></div>
</div>

<div class="fw-row">
	<div class="fw-col-xs-12">
	<p><a href="https://moritzkelber.com/about/" target="_blank" rel="noopener">Dr. Moritz Kelber</a> ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Augsburg und bei der <a href="https://www.gfbm-online.de" target="_blank" rel="noopener">Gesellschaft für Bayerische Musikgeschichte</a>. Im Jahr 2016 wurde er an der Universität Augsburg mit einer Studie zur Musik bei den Augsburger Reichstagen im 16. Jahrhundert promoviert.</p><p><a href="https://www.uni-augsburg.de/de/fakultaet/philsoz/fakultat/musikwissenschaft/team/ehemalige/koerndle/">Prof. Dr. Franz Körndle</a> ist Professor i. R. für Musikwissenschaft an der Universität Augsburg. Er hat zu Kirchenmusik, Jesuitendrama, Tasteninstrumenten des 18. und 19. Jahrhunderts sowie Landesgeschichte publiziert.</p><p><a href="https://lasso.badw.de/en/staff.html" target="_blank" rel="noopener">Dr. Bernhold Schmid</a> war Mitarbeiter der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, wo er die Orlando di Lasso-Gesamtausgabe mit herausgegeben hat.</p></div>
</div>

<div class="fw-row">
	<div class="fw-col-xs-12">
	
<div class="article-authors-box ">
	<h2 class="grid-title mb-25">Redaktion</h2>
			<p class="mb-25"></p>
	
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        <a href="https://www.hab.de/author/dr-michael-wenzel/">
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                <a class="name" href="https://www.hab.de/author/dr-michael-wenzel/">Dr. Michael Wenzel</a><br/>
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	<hr>
</div></div>
</div>

<div class="fw-row">
	<div class="fw-col-xs-12">
	<p><span style="color: #808080;"><em>Dieser Beitrag erscheint in leicht veränderter Form auch im 91. Band des Jahrbuchs Musik in Bayern (www.gfbm-online.de).</em></span></p></div>
</div>

	</div>
</section>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Hinter der glänzenden Fassade: Verena Keßler liest „Gym“</title>
		<link>https://www.hab.de/hinter-der-glaenzenden-fassade-verena-kessler-liest-gym/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eike Babel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 07:25:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Pressemitteilungen]]></category>
		<category><![CDATA[Info]]></category>
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	<div class="fw-col-xs-12">
	<p><em>Wolfenbüttel, 28. September 2026</em></p><p class="mcntmcntmcntMsoNormal">Die Protagonistin in Keßlers Roman liebt ihren neuen Job im MEGA GYM. Es gibt keinen Leistungsdruck, keine Überstunden, dafür liebenswerte Kolleginnen und einen Chef, der stolzer Feminist ist. Alles perfekt, wäre da nicht die klitzekleine Lüge, zu der sie sich im Einstellungsgespräch hat hinreißen lassen. Sie habe kürzlich erst entbunden, hat sie behauptet, und jetzt wollen alle Babyfotos sehen und fragen ständig nach „dem Kleinen“. Doch erst, als Bodybuilderin Vick auftaucht, wird klar, dass ein erfundenes Kind nicht das einzige Geheimnis dieser verschwiegenen Erzählerin ist. In „Gym“ erzählt Verena Keßler von Körperbildern, Selbstoptimierung und dem Wunsch, den eigenen Platz zu finden – und wirft dabei einen ebenso scharfen wie humorvollen Blick hinter die glänzende Fassade der Fitnesswelt.</p><p class="mcntmcntmcntMsoNormal"><b>Verena Keßler</b>, geboren 1988 in Hamburg, lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. Ihr jüngster Roman, „Gym“, wurde in 11 Sprachen übersetzt.</p><p class="mcntmcntmcntMsoNormal">Datum: 08.10.2026</p><p class="mcntmcntmcntMsoNormal">Einlass: 18:30 Uhr, Beginn: 19:00 Uhr</p><p class="mcntmcntmcntMsoNormal">Eintritt: 7 Euro</p><p class="mcntMsoNormal">Reservierungen nehmen wir per E-Mail an <a class="mailto" href="mailto:k&#117;&#108;t&#117;&#114;&#112;&#114;g&#64;hab&#46;d&#101;">&#107;&#117;l&#116;u&#114;&#112;r&#103;&#64;h&#97;&#98;&#46;&#100;e</a> oder auch telefonisch unter 05331/808-203 entgegen.</p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone  wp-image-33673" src="https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/09/Verena-Kessler_c-Jacintha-Nolte_2024_hf_2_cropped-cmyk-666x1024.jpg" alt="" width="205" height="315" srcset="https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/09/Verena-Kessler_c-Jacintha-Nolte_2024_hf_2_cropped-cmyk-666x1024.jpg 666w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/09/Verena-Kessler_c-Jacintha-Nolte_2024_hf_2_cropped-cmyk-195x300.jpg 195w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/09/Verena-Kessler_c-Jacintha-Nolte_2024_hf_2_cropped-cmyk-768x1181.jpg 768w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/09/Verena-Kessler_c-Jacintha-Nolte_2024_hf_2_cropped-cmyk-999x1536.jpg 999w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/09/Verena-Kessler_c-Jacintha-Nolte_2024_hf_2_cropped-cmyk-1332x2048.jpg 1332w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/09/Verena-Kessler_c-Jacintha-Nolte_2024_hf_2_cropped-cmyk-scaled.jpg 1665w" sizes="(max-width: 205px) 100vw, 205px" /></p><p>Foto: Verena Keßler © Jacintha Nolte</p><p>&nbsp;</p></div>
</div>

	</div>
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</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Anna Vorwerk und die Herzogliche Bibliothek</title>
		<link>https://www.hab.de/anna-vorwerk-und-die-herzogliche-bibliothek/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eike Babel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2026 10:14:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Info]]></category>
		<category><![CDATA[HABlog]]></category>
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		<div class="fw-row">
	<div class="fw-col-xs-12">
	<p><span style="color: #808080;"><em>16. September 2026</em></span></p><p>Gerade diese Aktivitäten eröffnen jedoch einen aufschlussreichen Blick auf die Leitideale und Tugendvorstellungen des bürgerlichen Wolfenbüttels im 19. Jahrhundert. Eine Auseinandersetzung mit diesen Tätigkeiten ermöglicht zugleich eine Annäherung an Anna Vorwerk als Frau, Schulvorsteherin und Nachbarin der Bibliothek – jenseits moderner Zuschreibungen.</p></div>
</div>

<div class="fw-row">
	<div class="fw-col-xs-12">
	<p>Ein aufgrund seiner Komposition aussagekräftiges Gemälde der Reformpädagogin, das im sogenannten Anna-Vorwerk-Haus hängt, führt ins Thema: Es zeigt Vorwerk, die Tochter eines wohlhabenden Juristen aus Königslutter, als fast 40-Jährige. Zu diesem Zeitpunkt wohnte sie bereits seit etlichen Jahren in Wolfenbüttel. Der Maler des Gemäldes, Albert Mirsalis, war Zeichner und Lehrer an dem von Anna Vorwerk errichteten Schulkomplex im Schloss, den sog. Schloßanstalten. Auf den ersten Blick könnte man meinen, Mirsalis hätte für die Darstellung seiner Vorgesetzten, Anna Vorwerk, die Sachlichkeit als Leitmotiv gewählt. Allerdings fällt auch auf, dass eine privilegierte Frau des höheren Bürgertums inszeniert wird, denn bei genauerem Hinsehen springen die goldene, mit Perlen und Edelsteinen besetzte Brosche ebenso wie der üppige Schal ins Auge. Die faltbare Lesehilfe, die Lorgnette, war um 1900 ein modisches Accessoire ebenso wie ein funktionales Instrument. Man nutzte sie für den Opern- und Theaterbesuch. Damit verweist dieses Accessoire, die Lesehilfe, auf die gute Bildung, die Vorwerk erfahren hatte. Und so ist das Gemälde nur auf den ersten Blick recht unscheinbar. Die komplexe Komposition bildet die gehobene, gelebte Bürgerlichkeit der Dargestellten ab.</p><p>Ein konstitutives Element bürgerlicher Kultur und Lebensführung des späten 19. Jahrhunderts war das kulturelle Mäzenatentum. Die Gemeinnützigkeit fand nicht zum Selbstzweck statt, auch um 1900 nicht. Die Kulturförderung diente der Sicherung von Akzeptanz und Geltung von Normen über die Grenzen des Bürgertums hinaus. Auch Anna Vorwerk setzte in ihren Schloßanstalten bürgerliche Ideen und Werte durch. Dazu gehörte unter anderem die Schätzung von Ordnung in einem weiteren Sinne des Wortes.</p><p>Die geteilten bürgerlichen bzw. auf Bildung und Kultur ausgerichteten Wertvorstellungen waren das verbindende Element zwischen der Familie Vorwerk, die im Schlossplatz 4 (heute Anna-Vorwerk-Haus) wohnte, und der auf der anderen Schlossplatzseite gelegenen Herzoglichen Bibliothek. Eine besondere Beziehung entstand zu Otto von Heinemann, der in den Jahren um 1900 Bibliotheksleiter war. Von Heinemann war 14 Jahre älter als Anna Vorwerk. Vorwerk und von Heinemann stammten beide aus einer protestantischen Beamtenfamilie. Zwar war die Familie von Heinemann 1781 in den Reichsadelsstand erhoben worden, doch verfolgte sie im 19. Jahrhundert keine exklusiv auf eine traditionelle adlige Lebensweise ausgerichtete Heiratsstrategie oder Berufswahl. Dies gilt auch für Otto von Heinemann, der zunächst, bevor er nach Wolfenbüttel ging, eine Tätigkeit als Hauslehrer annahm.</p><p>Die Beziehung zwischen der Initiatorin der Schlossanstalten und dem Bibliotheksdirektor drückte sich ganz wesentlich in der gegenseitigen Förderung aus. Von Heinemann unterrichtete 25 Jahre im Schloss. Er engagierte sich als Prüfer und nahm Examen ab, wohl auch, weil dies in einigen Bereichen noch immer eine Männerdomäne war. Vorwerks besondere Leidenschaft galt den Theateraufführungen und Konzerten. Auf dem Programm standen schwerpunktmäßig antike und andere ältere Klassiker, deren Inszenierungen die Geselligkeit beförderten. Dies gilt ferner für die vielen Ausflüge, die von der Schule unternommen wurden. Auch hier verbanden sich Kulturförderung und gehobene Geselligkeit. Von Heinemann nahm rege daran teil und legte dafür zeitweise ganz selbstverständlich die Arbeit an der Bibliothek nieder. Es war nichts Ungewöhnliches, dass die Arbeitsbereiche und Zuständigkeiten so ineinandergriffen.</p><p>Parallel zu ihrer Arbeit an der Entwicklung der Anstalten setzte sich Anna Vorwerk für die Förderung der Bibliothek ein. Sie besuchte die Sammlung mehrfach in Begleitung. Ein Zeitungsartikel, den Vorwerk verfasste und in dem sie die Bibliothek vorstellte, dokumentiert diese Schwerpunktsetzung eindrücklich: Der Artikel entstand, nachdem kurz zuvor der wilhelminische Großbau errichtet worden war, der, wie viele seiner Zeit, dem neuen Trend der Stahlkonstruktion folgte. Durch den industriellen Fortschritt des 19. Jahrhunderts hatte sich Metall als dominierendes Material in der Architektur durchgesetzt. Stahlgebäude standen für den Beginn einer neuen Ära im Bauwesen. Kurz vor der Bibliothek war etwa der Eiffelturm errichtet worden.</p><p>Für Anna Vorwerk war die Entscheidung des Bibliotheksleiters von Heinemann Baustahl einzusetzen, ein Beleg für dessen Fortschrittlichkeit, ja dessen Fähigkeit, mit modernen Mitteln die Traditionen der Bibliothek zu sichern. In dem Zeitungsbeitrag heißt es: „Einen ganz andern Charakter, wenn auch ebenfalls im Geist der Hochrenaissance gehalten, trägt die neue Bibliothek. Aus dem dauerhaftesten Material errichtet, in ihren tragenden Teilen nur aus Stein, in ihren ruhenden aus Stein oder Eisen hergestellt, liegt ihr die Gefahr frühen Verfalles oder gewaltsamer Zerstörung durch Feuer gänzlich fern. Doch das edlere Material hat auch edlere Formen erzeugt.“ „Herr von H[einemann]“, so fährt sie fort, würde „Euch vielleicht in liebenswürdiger Weise erläutern, wie geschickt jeder Büchersaal durch einen gußeisernen, durchbrochenen Fußboden in zwei Stockwerke geteilt ist, so daß nun alle Bücher ohne Leiter oben und unten leicht zu erfassen sind; er würde Euch wohl auch sein schönes, holzgetäfeltes Arbeitszimmer […], das Zimmer der Handschriften und der Kupferstiche, sowie das Lesezimmer zeigen – aber dazu müßtet Ihr hier sein.“</p><p>Dieser Aufsatz beschreibt Otto von Heinemann als profilierten Bibliotheksleiter und bedeutenden Bauherrn. Er wirbt für den nach Vorwerks Auffassung Modernität und Tradition verbindenden Kulturstandort Wolfenbüttel insgesamt – ein Standort, in dessen Zentrum Vorwerk und von Heinemann gemeinsam standen. Durch ihr gemeinsames Wirken trugen sie dazu bei, die von ihnen vertretenen Wert- und Normvorstellungen in Bezug auf Kultur und Bildung gesellschaftliche Sichtbarkeit und Geltung zu verleihen.</p><p>Auch das Anna-Vorwerk-Haus war ein wesentlicher Schauplatz dieser Kultur. 1977 erwarb der Freundeskreis der Bibliothek das Gebäude und vermietet es seither an die Herzog August Bibliothek. Das Gebäude wurde als Treffpunkt für das internationale Gast- und Stipendienprogramm der Bibliothek eingerichtet. Studienräume mit Arbeitsplätzen für Stipendiat*innen und Gastwissenschaftler*innen, ein Vortragsraum und ein an den Garten angrenzender Speisesaal machten und machen das Anna-Vorwerk-Haus weiterhin zum wissenschaftlichen und geselligen internationalen Forum der Bibliothek. Dass die Bibliothek für ihr Gastprogramm in diesem Gebäude in den 1970er Jahren eine Heimat fand, ist eigentlich nur ein glücklicher Zufall. Dennoch lohnt es sich, Anna Vorwerks Wirken zum Ausgangspunkt für eine Reflexion über die Bibliothek und ihre gesellschaftliche Rolle zu nehmen. Lässt sich die Herzog August Bibliothek in eine von Anna Vorwerk geprägte Tradition stellen? Worin bestehen Kontinuitäten, wo Brüche? Vorwerks kulturelles und bildungspolitisches Engagement beruhte auf einer privilegierten sozialen Stellung und wurde durch weitreichende Netzwerke ermöglicht. Sie setzte sich für die Förderung von Frauen ein und trug zugleich zur Festigung und gesellschaftlichen Anerkennung zentraler Werte und Normen des Bürgertums bei. Auch die Herzog August Bibliothek versteht sich heute als Akteurin der Kultur- und Bildungsförderung und engagiert sich für Teilhabe und Gleichstellung. Der Anspruch, zu einer offenen Gemeinschaft beizutragen, setzt jedoch die kritische Reflexion der eigenen Voraussetzungen voraus. Die Beschäftigung mit Anna Vorwerk und Otto von Heinemann schärft den Blick, sowohl für historische Privilegien als auch für die Netzwerke, die solche Vorrechte ermöglichen, stabilisieren und weitergeben.</p><p>&nbsp;</p><p><em><span style="color: #808080;">Quelle: Anna Vorwerk: o. T., in: Blätter aus dem Schlosse 1 (Oktober 1887), S. 2–7.</span></em></p><p><em><span style="color: #808080;">Titelbild: Albert Mirsalis: Porträt Anna Vorwerk, Wolfenbüttel, 1879 (HAB, Inv.-Nr. B 152)</span></em></p></div>
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	<h2 class="grid-title mb-25">Die Autorin</h2>
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                <h4 class="position">Stellvertretende Leiterin der Abteilung Stipendienprogramme und wissenschaftliche Veranstaltungen</h4>
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		<item>
		<title>Forschungsverbund „Nützliche Bibliotheken“ untersucht die Transformation von Bibliotheken im 18. Jahrhundert</title>
		<link>https://www.hab.de/forschungsverbund-nuetzliche-bibliotheken-untersucht-die-transformation-von-bibliotheken-im-18-jahrhundert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eike Babel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2026 13:14:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Pressemitteilungen]]></category>
		<category><![CDATA[Info]]></category>
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					<description><![CDATA[Wolfenbüttel, 09.09.2026 Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich Bibliotheken von Sammlungs- und Bewahrungsorten zu Institutionen entwickelten, in denen Wissen systematisch organisiert und für unterschiedliche Formen wissenschaftlicher Praxis verfügbar gemacht wurde. Der Begriff der „Nützlichkeit“ bezeichnet dabei eine historisch wandelbare Vorstellung davon, welchen Anforderungen Bibliotheken entsprechen und welchen Beitrag sie zur Wissensproduktion leisten sollten. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wolfenbüttel, 09.09.2026</em></p>
<p>Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich Bibliotheken von Sammlungs- und Bewahrungsorten zu Institutionen entwickelten, in denen Wissen systematisch organisiert und für unterschiedliche Formen wissenschaftlicher Praxis verfügbar gemacht wurde. Der Begriff der „Nützlichkeit“ bezeichnet dabei eine historisch wandelbare Vorstellung davon, welchen Anforderungen Bibliotheken entsprechen und welchen Beitrag sie zur Wissensproduktion leisten sollten. Zu den geplanten Ergebnissen des auf vier Jahre angelegten Forschungsverbunds gehören drei Monografien, eine Konferenz sowie eine Ausstellung.</p>
<p>„Die Geschichte der Bibliotheken ist auch eine Geschichte darüber, wie Wissen verfügbar gemacht wird“, so Prof. Dr. Peter Burschel, Direktor der Herzog August Bibliothek (HAB). „Im 18. Jahrhundert entwickelten sich repräsentative Sammlungen zunehmend zu Einrichtungen, die die wissenschaftliche Arbeit unterstützten. Dieser Wandel wirkt bis heute nach und prägt auch das Selbstverständnis der HAB als Forschungs- und Studienstätte.“</p>
<p>In drei Teilprojekten untersuchen die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek Hannover sowie die Georg-August-Universität Göttingen und die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen die Entwicklung bibliothekarischer Praktiken und institutioneller Strukturen. Untersucht werden die Wolfenbütteler Hofbibliothek, die Hannoversche Hofbibliothek und die Göttinger Universitätsbibliothek. Die drei Teilprojekte ermöglichen einen vergleichenden Blick auf unterschiedliche institutionelle Konstellationen und machen sichtbar, wie sich bibliothekarische Praktiken im Spannungsfeld von wissenschaftlichen Bedürfnissen, institutionellen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Erwartungen veränderten. Damit nimmt der Forschungsverbund Bibliotheken als aktive Orte der Wissensorganisation und als Akteure historischer Wissensordnungen in den Blick.</p>
<p>Der Forschungsverbund wird im Rahmen von zukunft.niedersachsen vom Land Niedersachsen gefördert.</p>
<p>Laufzeit: 1. September 2026 – 31. August 2030</p>
<p>Kooperationspartner*innen: Prof. Dr. Elisabeth Décultot (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg/Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Aufklärung), Prof. Dr. Markus Friedrich (Universität Hamburg, Geschichte der Frühen Neuzeit), Ass.-Prof. Dr. Mona Garloff (Universität Innsbruck, Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie), Prof. Dr. Julia Schmidt-Funke (Universität Leipzig, Geschichte der Frühen Neuzeit), Prof. Dr. Margarete Vöhringer (Universität Göttingen, Professur für Materialität des Wissens), Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt, Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt, Herzogin Anna Amalia Bibliothek</p>
<p>Abbildung: Der Unpartheyische Bibliothecarius 1 (1713), Frontispiz. HAB: M: Ea 72., (Foto: HAB)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-33318" src="https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-1-1024x256.png" alt="" width="1024" height="256" srcset="https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-1-1024x256.png 1024w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-1-300x75.png 300w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-1-768x192.png 768w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-1-1536x384.png 1536w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-1.png 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
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		<title>200 Jahre Brailleschrift: Eine Lesereise</title>
		<link>https://www.hab.de/200-jahre-brailleschrift-eine-lesereise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eike Babel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2026 09:13:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pressemitteilungen]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Info]]></category>
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					<description><![CDATA[Wolfenbüttel, 31.08.2026 Im Mittelpunkt des Abends steht der Lyrikband „Seht her – Poesie in Braille“. Das gemeinsam mit dem Kulturmaschinen Verlag realisierte Buchprojekt verbindet Schwarz- und Brailleschrift und eröffnet einen besonderen Zugang zu zeitgenössischer Poesie. Autor Jan Röhnert und Braille-Leser Manfred Barnstorf geben Einblicke in die Entstehung des Bandes und zeigen, wie Poesie in Schwarz- [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wolfenbüttel, 31.08.2026</em></p>
<p class="mcntMsoNormal">Im Mittelpunkt des Abends steht der Lyrikband „Seht her – Poesie in Braille“. Das gemeinsam mit dem Kulturmaschinen Verlag realisierte Buchprojekt verbindet Schwarz- und Brailleschrift und eröffnet einen besonderen Zugang zu zeitgenössischer Poesie. Autor Jan Röhnert und Braille-Leser Manfred Barnstorf geben Einblicke in die Entstehung des Bandes und zeigen, wie Poesie in Schwarz- und Brailleschrift gelesen und erlebt werden kann. Ein eigens für die Lesereise produzierter Kurzfilm ergänzt das Programm.</p>
<p class="mcntMsoNormal">Die <a href="https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/Plakat-Lesereise-200-Jahre-Braille.pdf">„Lesereise – 200 Jahre Brailleschrift: 25 Gedichte“</a> wird vom Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen e. V. (BVN) veranstaltet. Kooperationspartner ist der Kulturmaschinen Verlag. Gefördert wird das Projekt von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, der Klosterkammer Hannover und der Aktion Mensch.</p>
<p class="mcntMsoNormal">Im Anschluss an die Lesung bietet ein offenes Gespräch zwischen den Mitwirkenden und dem Publikum Raum für Austausch über die Brailleschrift, Literatur, Barrierefreiheit und kulturelle Teilhabe.</p>
<p class="mcntMsoNormal">Datum: 10. September 2026</p>
<p class="mcntMsoNormal">Einlass: 18:30 Uhr, Beginn: 19:00 Uhr</p>
<p class="mcntMsoNormal">Eintritt: frei</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Foto: Jan Röhnert, Autor (priv.)</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Alles zu Nutzen</title>
		<link>https://www.hab.de/alles-zu-nutzen-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marie Adler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Aug 2026 04:55:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Info]]></category>
		<category><![CDATA[HABlog]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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	<p><span style="color: #808080;"><em>20. August 2026</em></span></p><p>Bereits die Einträge aus einer Literaturverwaltungssoftware wie Citavi sind als semistrukturierte Daten für weitere Forschung nutzbar und daher für die Publikation geeignet. Mit einem FAIR Data Fellowship der NFDI4Memory gelang es mir, ein <a href="https://doi.org/10.11588/DATA/YLVKVN" target="_blank" rel="noopener">Datenset</a> aus meinem abgeschlossenen <a href="https://books.ub.uni-heidelberg.de//arthistoricum/catalog/book/1178" target="_blank" rel="noopener">Dissertationsprojekt</a> zur Veröffentlichung vorzubereiten. Mein Projekt mit dem Arbeitstitel „Allegorische Illustrationen in der europäischen Kunstliteratur“ bearbeitete ich in den Jahren 2013 bis 2019. Ziel der Arbeit war es, erstmals eine umfassende Übersicht der Illustrationen in der gedruckten Kunstliteratur der Frühen Neuzeit zu gewinnen. Zur Datenhaltung verwendete ich die Literaturverwaltungssoftware Citavi 5. Die Basis meiner Datensammlung bildete die Bibliografie in Julius Schlossers epochalem Werk <em>Die Kunstliteratur</em> von 1924. Von hier übertrug ich händisch jeden der über 1.000 Titel in meine Citavi 5-Datenbank und reicherte die Einträge nach der Autopsie der Werke mit Informationen über ihre Ausstattung mit Illustrationen an. Zusätzlich nahm ich weitere Bücher, z.B. aus dem Bestand der Herzog August Bibliothek (HAB), auf, sodass meine Datenbank heute 1.776 Titel zählt. Citavi 5 überzeugte mich sowohl durch die Möglichkeit, Bilder einzubinden, die hohe Anzahl an Textfeldern, die verschiedenen Optionen zur Verschlagwortung als auch die Import- und Exportmöglichkeit in Excel. Da es sich aber um ein kommerzielles Programm handelt, das leider zunehmend an Reputation verliert, schien es mir mit Blick auf eine langfristige Nutzbarkeit nicht angeraten, die Datei allein im Citavi-eigenen Format zu publizieren.</p><h3><strong>Das FAIR Data Fellowship</strong></h3><p>Mit dem FAIR Data Fellowship der NFDI4Memory erhielt ich einen Monat Zeit und Expertise für mein Publikationsvorhaben. Da ich keine spezielle Ausbildung in den Digital Humanities genossen habe, war für mich die Unterstützung durch die Mitarbeitenden der HAB ein wertvoller Bestandteil des Stipendiums. Im September 2024 verbrachte ich einige sehr produktive Tage vor Ort in Wolfenbüttel. Es fanden mehrere Beratungsgespräche mit den Datenspezialisten der HAB statt. Weiterführende Impulse und Unterstützung erhielt ich außerdem von den übrigen Fellows der HAB wie auch von meinen Kolleg*innen an der RWTH Aachen, wo ich als wissenschaftliche Bibliothekarin tätig bin.</p><p>Während des Fellowships hatte ich mir vorgenommen, nur ein kleines Datenset zu erarbeiten, nämlich die Publikationen des 16. Jahrhunderts. Tatsächlich schaffte ich aber sogar noch eine Erweiterung bis zum Erscheinungsjahr 1650 und konnte also insgesamt 512 Einträge zur Publikation vorbereiten. Der entwickelte Workflow ließe sich später auch auf die übrigen 1.272 Einträge anwenden. Ich habe einen Auszug der Daten in XML erstellt und zusätzlich in anderen Formaten ausgegeben. Die Hauptaufgabe bestand jedoch darin, rudimentäre Bereinigungen, Korrekturen und Vereinheitlichungen meiner Eingaben vorzunehmen. Die Citavi 5-Datenbank zu publizieren, war mir in der Sammlungsphase nicht in den Sinn gekommen. Ich hatte sie daher wie ein Forschungstagebuch an vielen Stellen mit persönlichen Notizen befüllt. Es fanden sich auch Tippfehler und unsystematisch verwendete Abkürzungen. Trotz Optimierung der Struktur gibt es immer noch Freitextfelder, die nicht ohne Weiteres maschinenlesbar sind.</p><h3><strong>Die Publikation</strong></h3><p>Einen Publikationsort zu finden, ist im Fach Kunstgeschichte nicht schwer. Das vom Fachinformationsdienst (FID) betriebene arthistoricum.net in Heidelberg verfügt über die nötigen Repositorien, um Bücher, Texte, Bilder und Daten digital zu publizieren. Die Einhaltung der FAIR-Prinzipien und die Langzeitarchivierung sind von der DFG gefördert und die Publikation für mich somit kostenlos. In <a href="https://doi.org/10.11588/heidicon/1738702" target="_blank" rel="noopener">Folge 17 des #arthistoCasts</a> deutete der Direktor des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, Professor Dr. Ulrich Pfisterer, jedoch kritisch an, dass die Aufbereitung von Forschungsdaten in der Kunstgeschichte gerade im Hinblick auf karrierestrategische Überlegungen von Forschenden ein Investitionsgrab darstellen könne. Freilich bedarf es Zeit und einer entsprechenden Motivation, um sich einer eigentlich abgeschlossenen Datensammlung abermals zuzuwenden. Bei der Arbeit an den Daten ist mir aber klargeworden, dass sich diese gar nicht so sehr von anderen Tätigkeiten im Publikationsprozess unterscheidet, die selbstverständlich zum Repertoire von Forschenden gehören.</p><p>Aktuell scheint mir das Publikum für eine reine Textausgabe noch weit größer zu sein als für das XML-Format, zumal das Citavi-XML wegen der vielen IDs und Verweise nicht leicht zu lesen ist. Um meine Daten nicht exklusiv für Forschende mit hoher Affinität zum Digitalen rezipierbar zu machen, habe ich zusätzlich zum bereinigten XML-Dump meiner Citavi 5-Datenbank eine HTML-Ausgabe erstellt, die an einen Katalog erinnern soll und im Browser zu öffnen ist. Diese Art der Präsentation zeigt: Forschungsdaten sind seit jeher Teil unserer Arbeit. Bibliografien und Kataloge sind in der Frühen Neuzeit schon erstellt worden. Im <a href="https://doi.org/10.11588/artdok.00009194" target="_blank" rel="noopener">Münchner Memorandum zu Forschungsdaten in der Kunstgeschichte</a> wird hingegen stark formuliert: „Forschungsdaten sollen […] maschinenlesbar aufbereitet werden.“ Auch während meines FAIR Data Fellowships hatte ich gelegentlich den Eindruck, meine Betreuenden wünschten sich mehr technische Innovation von mir.</p><p>Doch hier bin ich nun ganz bei Ulrich Pfisterer: Im Augenblick ist für mich nicht absehbar, ob es automatisierte Nachnutzungsszenarien für meine Daten geben wird. Zeit zu investieren, um diese zu antizipieren und meine Daten nach nur vermuteten Bedürfnissen anzureichern bzw. feiner zu strukturieren, erscheint mir am Ende meines Dissertationsprojekts tatsächlich nicht mehr effizient. Den letzten Aufbereitungsschritt erlaube ich mir mithin jenen zu überlassen, die die Daten tatsächlich nutzen wollen.</p><p>&nbsp;</p><p><span style="color: #808080;"><em>Titelbild: : Illustration aus Joachim von Sandrart: Iconologia Deorum. Nürnberg / Frankfurt a. M. 1680, o.P.</em></span></p><hr /><h3>Das FAIR Data Fellowship der NFDI4Memory</h3><p>Die einmonatigen Stipendien richten sich an alle Historiker*innen und historisch Arbeitenden, die eigene historische Forschungsdaten aktiv mit der Community teilen wollen. Unterstützt werden die Fellows bei der Aufbereitung eigener Forschungsdaten aus abgeschlossenen oder kurz vor Abschluss stehenden Projekten von Expert*innen des <a href="https://dch.phil-fak.uni-koeln.de/">Data Center for the Humanities</a> an der Universität zu Köln, des <a href="https://www.deutsches-museum.de/">Deutschen Museums</a>, des <a href="https://www.herder-institut.de/">Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft</a>, des <a href="https://www.ieg-mainz.de/">Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte</a> und der <a href="https://www.hab.de/">Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</a>. Die Fellows erhalten Beratung zu den FAIR-Prinzipien, geeigneten Strukturierungsmöglichkeiten sowie zu passenden Repositorien für die Publikation ihrer Forschungsdaten.</p></div>
</div>

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<!-- Featured Article -->
<article class="hab_featured-article ">
	<h2 class="article-title">Die Autorin</h2>
	<h2 class="article-subtitle subline-heading"></h2>

	<p class="article-description">Dr. Constanze Keilholz studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Münster und Göttingen. Sie ist als wiss. Bibliothekarin tätig und forscht u.a. zur Selbstdarstellung von Künstler*innen, Künstlerwissen sowie Kunstbibliotheken. </p>

	<a href="https://orcid.org/0000-0002-0794-515X" class="btn btn-read-more">
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		<span class="txt">Mehr...</span>
	</a>
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			</item>
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		<title>Mit wehenden Fahnen dem Ende entgegen. Heike Geißler liest „Michaela Kohlhaas“</title>
		<link>https://www.hab.de/mit-wehenden-fahnen-dem-ende-entgegen-heike-geissler-liest-michaela-kohlhaas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eike Babel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Aug 2026 07:32:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Pressemitteilungen]]></category>
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	<p><em>Wolfenbüttel, 06. August 2026</em></p><p class="mcntmcntMsoNormal">Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ erzählt von einem Mann, der nach erlittenen Unrecht zum radikalen Kämpfer für Gerechtigkeit wird. Heike Geißler verschiebt den Blickwinkel: Aus Michael wird Michaela – eine Frau, die genug hat und zu allem bereit ist. Mit „Michaela Kohlhaas“ entwickelt Heike Geißler eine Geschichte über Selbstbehauptung, gewollte Eskalation und die Suche nach einem eigenen Platz in der Welt.</p><p class="mcntmcntMsoNormal"><strong><span id="ext-gen2592">Die Autorin Heike Geißler</span></strong>, 1977 in Riesa geboren, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter zuletzt (2025) der Klopstock-Preis für neue Literatur, der Heinrich-Böll-Preis und der Bayerischen Buchpreis. Sie lebt in Leipzig.</p><p class="mcntmcntMsoNormal">Nach der Lesung gibt es Gelegenheit zum Gespräch bei einem gemeinsamen Getränk. Die Wolfenbütteler Buchhandlung Bücher Behr wird mit einem Büchertisch vor Ort sein.</p><p class="mcntmcntMsoNormal">Datum: 20. August 2026</p><p class="mcntmcntMsoNormal">Einlass: 18:30 Uhr, Beginn: 19:00 Uhr</p><p class="mcntmcntMsoNormal">Eintritt: 7 Euro</p><p class="mcntMsoNormal">Reservierungen nehmen wir per E-Mail an <a class="mailto" href="mailto:&#107;&#117;&#108;tu&#114;&#112;&#114;g&#64;h&#97;b.de">k&#117;&#108;&#116;u&#114;&#112;rg&#64;hab&#46;d&#101;</a> oder auch telefonisch unter 05331/808-203 entgegen.</p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-33303" src="https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/HeikeGeissler-cHeikeSteinweg-1024x681.jpg" alt="" width="295" height="196" srcset="https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/HeikeGeissler-cHeikeSteinweg-1024x681.jpg 1024w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/HeikeGeissler-cHeikeSteinweg-300x200.jpg 300w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/HeikeGeissler-cHeikeSteinweg-768x511.jpg 768w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/HeikeGeissler-cHeikeSteinweg-1536x1022.jpg 1536w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/08/HeikeGeissler-cHeikeSteinweg-2048x1363.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 295px) 100vw, 295px" /></p><p>Abb. 1: Abbildung: Heike Geißler © Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag.</p><p>&nbsp;</p></div>
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		<item>
		<title>Adolf Flach und die Farben des Malerbuchsaals</title>
		<link>https://www.hab.de/adolf-flach-und-die-farben-des-malerbuchsaals/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marie Adler]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jul 2026 04:30:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[HABlog]]></category>
		<category><![CDATA[Info]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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	<div class="fw-col-xs-12">
	<p><span style="color: #808080;"><em>20. Juli 2026</em></span></p><p>Wer den Malerbuchsaal der Herzog August Bibliothek (HAB) zum ersten Mal betritt, wird nach dem überwältigenden Anblick der Augusteerhalle mit ihren historischen Bücherschätzen in Elfenbein- und Brauntönen von leuchtend bunten Farben überrascht: In den Vitrinen und Regalen lagern Buchbinderkassetten in unterschiedlichsten Größen, Farben und Dekoren – jede einzelne ein kleines Kunstwerk für sich, denn die Überzüge sind so individuell gestaltet wie die Künstlerbücher, die sie bergen. Entworfen und angefertigt wurden sie von dem Restaurator und Buchbinder Adolf Flach (1926–2011).</p></div>
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		<div class="article-featured-image">
		<div class="image">
			<span class="descr" style="display: none;">Blick in den Malerbuchsaal (Foto: Katharina Mähler)</span>
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			<span class="txt">Blick in den Malerbuchsaal (Foto: Katharina Mähler)</span>
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	<p>Flach wurde in Kassel geboren und wuchs im nordhessischen Homberg (Efze) auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er eine Buchbinderlehre. Vielleicht trug auch seine angeborene Schwerhörigkeit dazu bei, dass er einen besonders geschärften Blick für Farbe und Struktur entwickelte. So entdeckte er früh sein Interesse an Buntpapieren. Dabei handelt es sich um handgefertigte, mit unterschiedlichen Färbe- und Drucktechniken gestaltete Überzugspapiere für Bucheinbände, Kassetten und andere Behältnisse. Während seiner Studienjahre an der Offenbacher Werkkunstschule vertiefte er seine Kenntnisse in Einbandgestaltung, Kalligrafie und Typografie. Der künstlerische Leiter des Insel-Verlags, Gotthard de Beauclair, wurde auf Flachs Arbeiten aufmerksam und erwarb einige Buntpapiere als Vorlagen für Einbände der <a href="https://www.bresinsky.de/insel/bilder/htmseiten/suep_1958_0022.htm" target="_blank" rel="noopener">Insel-Bücherei</a>. Bei bundesweiten Wettbewerben wurden Flachs Bucheinbände und Buntpapiere mehrfach ausgezeichnet.</p><p>Nach mehreren Anstellungen arbeitete er als Werkstattleiter bei der bekannten Schrift- und Buchgestalterin Eva Aschoff in Freiburg. Dort legte er auch seine Meisterprüfung im Buchbindehandwerk ab. Im Jahr 1960 kam Flach schließlich an die Herzog August Bibliothek, deren damaliger Direktor Erhart Kästner den lang geplanten Aufbau einer Restaurierungswerkstatt verwirklichen konnte – zu einer Zeit, als Restaurierung als eigenständiges Fachgebiet in Bibliotheken noch kaum etabliert war.</p><p>Kästner erkannte das Potenzial des erfahrenen Buchbinders und schickte ihn in der Anfangszeit zur Ergänzung seiner Fachkenntnisse unter anderem an das renommierte Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Schon bald entwickelte Flach eigene, wegweisende Restaurierungsmethoden. So entschied er sich beispielsweise bei der Restaurierung des bereits mehrfach überarbeiteten <a href="http://diglib.hab.de/mss/84-5-aug-2f/start.htm?image=00001" target="_blank" rel="noopener">Reichenauer Perikopenbuchs</a> für eine Reduktion auf die erhaltenen originalen Elemente des mittelalterlichen Einbands, statt einen vermeintlich ursprünglichen Zustand zu rekonstruieren. Die dafür entwickelte klebstofffreie Bindetechnik erfüllt die Kriterien eines Konservierungseinbands und hat noch heute Bestand. Sie ist Ausdruck eines damals noch ungewöhnlichen Restaurierungsverständnisses, das nicht nur die Authentizität des überlieferten Textes, sondern die Materialität des gesamten Buches als historisches Artefakt in den Mittelpunkt stellte.</p><p>Im Jahr 1965 kam mit der Restauratorin Gerta Frantzen willkommene Verstärkung an die HAB, sodass sich Flach mehr und mehr auf die von Kästner aufgebaute Malerbuchsammlung konzentrieren konnte. Da viele der französischen ‚livres de peintre‘ damals ungebunden in losen Lagen erschienen, entwickelte Flach ein innovatives Aufbewahrungssystem mit liegender Lagerung in maßgefertigten Buchbinderkassetten spezieller Bauart. Im Schaudepot des Malerbuchsaals sind somit Schutz und Präsentation miteinander verknüpft.</p></div>
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			<span class="descr" style="display: none;">Buchbinderkassetten für Malerbücher von Georges Braque (Foto: Katharina Mähler)</span>
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			<span class="txt">Buchbinderkassetten für Malerbücher von Georges Braque (Foto: Katharina Mähler)</span>
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	<p>Für die Überzüge der Kassetten gestaltete er Papiere in unzähligen Variationen, die häufig in ihren Farben und Strukturen Bezug auf die Bildsprache der Künstler*innen nehmen. Jedem Künstler und jeder Künstlerin ordnete Flach ein eigenes Design zu, sodass sich etwa die Bücher von Georges Braque schon von außen an der smaragdgrünen, fein gemaserten Struktur ihres Marmorpapiers erkennen lassen.</p></div>
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	<p>In den ersten Jahren arbeitete Flach häufig mit dieser Technik, da sich damit auch große Papierbögen effizient herstellen lassen. <a href="https://doi.org/10.60831/1218" target="_blank" rel="noopener">Doch schon bald experimentierte er mit verschiedensten grafischen Techniken, mit Kleisterfarben, Monotypie, Linoldruck sowie Mischtechniken mit Reservage, Stempel- und Materialdruck</a>.</p></div>
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		<div class="article-featured-image">
		<div class="image">
			<span class="descr" style="display: none;">Papierdesign (Kalligrafie in Reservagetechnik, Monotypie) für Künstlerbücher von Barbara Fahrner (Foto: Katharina Mähler)</span>
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			<span class="txt">Papierdesign (Kalligrafie in Reservagetechnik, Monotypie) für Künstlerbücher von Barbara Fahrner (Foto: Katharina Mähler)</span>
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	<p>So entstand im Laufe der Jahre ein einzigartiges Ensemble aus hunderten individuell gestalteten Kassetten. Bis heute prägt dieses farbige Gestaltungskonzept den Malerbuchsaal und veranschaulicht die enge Verknüpfung von Konservierungsauftrag, handwerklicher Präzision und künstlerischer Gestaltung.</p><p>In diesem Ambiente richtete Flach die ständig wechselnden Ausstellungen von Maler- bzw. Künstlerbüchern ein und schuf handgeschriebene, außergewöhnliche Plakate, die von seiner kalligrafischen Meisterschaft zeugen.</p></div>
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		<div class="article-featured-image">
		<div class="image">
			<span class="descr" style="display: none;">Ausstellungsplakat von Adolf Flach, 1972 (Foto: Katharina Mähler)</span>
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			<span class="txt">Ausstellungsplakat von Adolf Flach, 1972 (Foto: Katharina Mähler)</span>
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	<p>Auch an anderen Stellen in der Bibliothek wird Flachs feiner Gestaltungssinn offenbar. Typografisch geprägt durch seine Studienjahre in Offenbach, wählte Flach für die Rückenschilder von Malerbuchkassetten und modernen Einbänden die gleichermaßen elegante wie gut lesbare Schrift ‚Palatino‘ des Schriftgestalters Hermann Zapf aus. Bereits am Eingang der Bibliotheca Augusta begegnet diese Schrift den Besucher*innen der HAB und weist ihnen in dezenten Messingbuchstaben an den Glastüren den Weg.</p><p>Mit den Jahren wuchs Flachs Expertise in Sachen Maler- bzw. Künstlerbücher, sodass Erhart Kästners Nachfolger Paul Raabe ihn nicht nur mit der Konzeption zahlreicher Ausstellungen und Erarbeitung von Katalogen beauftragte, sondern ihn auch bei Neuerwerbungen als Berater hinzuzog. Flach schätzte den direkten Kontakt und Austausch mit den Künstler*innen sehr, die sich wiederum beeindruckt von seinen Arbeiten zeigten. Denn auch in dienstfreien Stunden und nach seinem Ausscheiden aus der HAB im Jahr 1989 widmete sich Flach der Gestaltung von Bucheinbänden und Schriftblättern mit Lyrik zeitgenössischer Dichter*innen. 1996 wurden sie in einer <a href="http://opac.lbs-braunschweig.gbv.de/DB=2/XMLPRS=N/PPN?PPN=217042511" target="_blank" rel="noopener">Einzelausstellung</a>&nbsp;– natürlich im Malerbuchsaal der HAB – präsentiert. Zum 100. Geburtstag Adolf Flachs lohnt sich ein erneuter Blick auf sein Werk und auf eine Persönlichkeit, welche die Herzog August Bibliothek über Jahrzehnte geprägt und ihr unverwechselbares Erscheinungsbild mitgestaltet hat.</p></div>
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	<p><span style="color: #808080;"><em>Titelbild: Adolf Flach, 1996 (Foto: Katharina Mähler)</em></span></p></div>
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	<div class="fw-col-xs-12">
	
<div class="article-authors-box ">
	<h2 class="grid-title mb-25">Autorin</h2>
			<p class="mb-25"></p>
	
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	<hr>
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		<item>
		<title>Herzog August Bibliothek restituiert Buch aus dem Besitz von Gertrud Benschner</title>
		<link>https://www.hab.de/herzog-august-bibliothek-restituiert-buch-aus-dem-besitz-von-gertrud-benschner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Antje Dauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2026 08:59:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Pressemitteilungen]]></category>
		<category><![CDATA[Info]]></category>
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					<description><![CDATA[Wolfenbüttel, 10.07.2026 Gertrud Benschner (09.02.1890 – 08.05.1945) war antisemitischer Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt. Ein Band aus ihrem Besitz  wurde von der Herzog August Bibliothek als NS-Raubgut bewertet und an ihre Nachfahren übergeben. Über den Buchbesitz von Gertrud Benschner ist wenig bekannt. Nach Aussage ihrer Enkelin soll sie über die größte Privatbibliothek in Wolfenbüttel verfügt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wolfenbüttel, 10.07.2026</em></p>
<p><strong>Gertrud Benschner (09.02.1890 – 08.05.1945) war antisemitischer Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt. Ein Band aus ihrem Besitz  wurde von der Herzog August Bibliothek als NS-Raubgut bewertet und an ihre Nachfahren übergeben.</strong></p>
<p>Über den Buchbesitz von Gertrud Benschner ist wenig bekannt. Nach Aussage ihrer Enkelin soll sie über die größte Privatbibliothek in Wolfenbüttel verfügt und in ihrem Haus Soireen mit bekannten Musiker*innen, Künstler*innen und Autor*innen ausgerichtet haben. Zu ihrer Bibliothek gehörte auch das nun restituierte Buch „Expressionismus“ von Hermann Bahr aus dem Münchner Delphin-Verlag<strong> (</strong>mit 20 Tafeln, 3. Aufl. München 1919. Signatur: 5.8° 87).</p>
<p>Ihre Familie lebte bis 1937 in Wolfenbüttel in einer Wohnung am Großen Zimmerhof Nummer 1, von wo aus Gertrud Benschner 1938 nach Lippstadt zog. Am 28. April 1942 wurde sie in das Ghetto Zamość deportiert, von dort aus in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Ihre zwei Söhne konnten über unterschiedliche Wege fliehen und überlebten in Israel und Schweden.</p>
<p>Das betreffende Buch wurde von der Herzog August Bibliothek 1955 als „Geschenk, Samson-Bibliothek“ verzeichnet. Es trägt außer dem Exlibris und dem handschriftlichen Besitzvermerks von Gertrud Benschner keine weiteren Provenienzmerkmale. Anders als die übrigen Bände aus der Samsonschule weist es weder eine Signatur noch einen der bekannten Stempel oder ein Rückenschild auf. Eine Zuordnung zum Bestand der Samsonschule ist daher nicht möglich. Aufgrund dieser Befunde und des historischen Kontexts ist von einem NS-verfolgungsbedingten Entzug auszugehen.</p>
<p>Die Provenienz des Buches wurde im Rahmen des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projektes „NS-Raubgut unter den Zugängen der Herzog August Bibliothek 1933-1969“ ermittelt.</p>
<p>Gefördert von:</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-33062" src="https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/07/DZK_Logo_farbe_CMYK_600dpi-s-300x98.jpg" alt="Logo Deutsches Zentrum Kultugutverluste" width="300" height="98" srcset="https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/07/DZK_Logo_farbe_CMYK_600dpi-s-300x98.jpg 300w, https://www.hab.de/wp-content/uploads/2026/07/DZK_Logo_farbe_CMYK_600dpi-s.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Eine schwule Oper für den Wolfenbütteler Hof?</title>
		<link>https://www.hab.de/eine-schwule-oper-fuer-den-wolfenbuetteler-hof/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eike Babel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 06:10:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[HABlog]]></category>
		<category><![CDATA[Info]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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	<div class="fw-col-xs-12">
	<p><span style="color: #808080;"><em>15. Juni 2026</em></span></p><p>Die Eröffnung des Opernhauses am Hagenmarkt in Braunschweig 1690 war ein wichtiger Schritt vom Musiktheater als höfisch-adeliger Repräsentation hin zur bürgerlichen Kultur, denn das von Herzog Anton Ulrich (1633–1714) gegründete Haus war eines der ersten Operntheater in deutschen Landen, die der Öffentlichkeit zugänglich waren. Dem ging eine längere nicht-öffentliche Tradition am Wolfenbütteler Hof voraus, bei der im Rahmen höfischer Feste Umzüge, Musikdramen und Ballette aufgeführt wurden, an denen der Sohn Herzog Augusts nach dem Vorbild des französischen Königs Ludwig XIV. als Tänzer teilnahm. Zahlreiche Libretti stammten aus seiner Feder. 1685 wurde hier das Singspiel <em>Davids und Jonathans Treuer Liebe Beständigkeit</em> aufgeführt. Erhalten hat sich davon nur das <a href="http://diglib.hab.de/drucke/textb-387/start.htm" target="_blank" rel="noopener">gedruckte Libretto</a>, das mit seiner Verbindung von gesungenem Drama und Ballett dem Vorbild gleichzeitiger französischer ‚tragédies en musique‘ folgt. Dass der Text von Anton Ulrich selbst stammt, gilt als wahrscheinlich. Die leider nicht erhaltene Musik dazu dürfte der 1684 berufene Hofkapellmeister Johann Theile (1646–1724) komponiert haben.</p><p>Erzählt wird in drei Akten eine Episode aus der alttestamentlichen Erzählung über den Aufstieg Davids vom Hirtenjungen zum König über Israel. Der Librettist folgt dabei der Vorlage in den Samuelbüchern (1 Samuel 28,1 – 2 Samuel 2,4) getreu: Aufgrund der Mordanschläge, die der regierende König Saul auf ihn unternommen hat, ist David vom Hof in das Lager des Philisterkönigs Achis (auch: Achisch) geflohen und zu dessen Lehnsmann geworden. An diesem Punkt setzt die Opernhandlung ein: Die Philister stehen im Krieg mit den Israeliten. Achis ist entschlossen, eine vernichtende Schlacht gegen König Saul zu schlagen. Er erkundigt sich bei David nach der Ursache seiner Traurigkeit, und dieser offenbart ihm die Sorge um Sauls Sohn Jonathan, seinen geliebten Freund, der auf der gegnerischen Seite kämpfen wird: „Die treue Liebes-Pflicht/ O tausend Ach! │ Zu meinen (!) Hertzvertrauten Jonathan │ Liegt mir so heftig an/ │ Und dringet durch das Hertz │ Und machet Trauren/ Leidt und Schmertz │ Und Sorgen/ Gram/ und Ungemach/ │ Ach Jonathan mein allerliebster Freund │ Der es mit mir gantz treu und redlich meint/ │ Zu ihm steht all mein Tichten und Beginnen.“</p><p>Voller Sehnsucht nach seinem „Ander ich“ besingt David in einer Arie die ideale Freundschaft, die er mit Jonathan gefunden hat. In ihr sind Beständigkeit, Aufrichtigkeit und Selbstlosigkeit verwirklicht. Da erscheint Jonathan selbst als Aussätziger verkleidet in Achis’ Lager, um David zu treffen. Sie bekennen einander in einem Duett ihre Liebe und erneuern ihren Freundschaftsbund: „Wir lieben uns von Hertzen │ Das weisen aus die Schmertzen │ Die wir abwesend leiden │ O hochbetrübtes Scheiden!“</p><p>Die Amalekiter haben Davids Lehen überfallen und seine beiden Ehefrauen entführt. Mit einem letzten Kuss nehmen David und Jonathan Abschied voneinander. Unterdessen sucht König Saul die Wahrsagerin von Endor auf, die den Propheten Samuel aus der Unterwelt heraufbeschwört. Dieser verkündet, dass der Herr Saul vom Thron stoßen und David zu dessen Nachfolger machen wird. David hat seine Ehefrauen Ahinoam und Abigail befreit. Die beiden Frauen preisen die Treue ihres Gatten, glauben aber, David liebe seinen Jonathan noch weit mehr als sie beide. Kein Grund zur Eifersucht, meint David, Jonathans Liebe tue jener zu den beiden Frauen keinen Abbruch. Das israelische Heer wird von den Philistern besiegt, Saul und Jonathan sind gefallen. David ist fassungslos über Jonathans Verlust und stimmt eine Totenklage an: „Mein Jonathan/ ach deine Liebe/ │ Die Kein Verstand aussprechen kann │ Greift mir vielmehr das Hertze an │ Als keiner Weiber Liebes Triebe/ │ Ach liebste Seel mein Jonathan.“ Eine Gesandtschaft von König Achis verkündet den Sieg der Philister und verleiht David kraft dieses Sieges die Königswürde über Israel.</p></div>
</div>

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	<div class="fw-col-xs-12">
		<div class="article-featured-image">
		<div class="image">
			<span class="descr" style="display: none;">Abb. 1: Davids und Jonathans Treuer Liebe Beständigkeit/ In einem Singe-Spiele Vorgestellet, Wolfenbüttel 1685, Titelblatt. Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Textb. 387. Foto: Sven Limbeck</span>
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		</div>
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			<span class="txt">Abb. 1: Davids und Jonathans Treuer Liebe Beständigkeit/ In einem Singe-Spiele Vorgestellet, Wolfenbüttel 1685, Titelblatt. Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Textb. 387. Foto: Sven Limbeck</span>
		</div>
	</div>
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</div>

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	<p>In der Kulturgeschichte ist das Freundespaar David und Jonathan vielfach als ein positives Modell und Vorbild für gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen bezeugt. In einer ‚Gegenexegese‘ als Alternative zur jüdisch-christlichen Verurteilung von Homosexualität wird die Liebe zwischen zwei Männern biblisch autorisiert. Insbesondere die emotionale Totenklage Davids öffnet die Erzählung für eine homoerotische Deutung: „Weh ist mir um dich, mein Bruder Jonathan. │ Du warst mir sehr lieb. │ Wunderbarer war deine Liebe für mich │ als die Liebe der Frauen“ (2 Samuel 1,26). An diesem Sentiment lässt auch das Libretto keinen Zweifel. Haben wir es mit einer schwulen Oper für den Wolfenbütteler Hof zu tun? Ist sie ein Zeugnis der barocken Kultur für Queerness, also für eine Form geschlechtlicher und sexueller Identität, die nicht der Zwangsordnung von biologischem Geschlecht, sozialer Geschlechterrolle und (hetero-)sexueller Orientierung entspricht? In der jüngeren Kulturtheorie wird ‚queer‘ als Analysekategorie verwendet, die auf die Kritik am und die Alternativen zum heterosexuell-patriarchalen Kanon unserer Kultur abzielt. Beim Queering mit historischer Perspektive wird die Überlieferung aus einer lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans Perspektive gelesen, also dezidiert nicht-heteronormativ und nicht-binär bzw. an das erinnert, was im Zuge einer Naturalisierung von Geschlecht und Sexualität aus dem kulturellen Kanon ausgeschlossen wurde.</p><p>In <em>Davids und Jonathans Treuer Liebe Beständigkeit</em> geschieht mit den ästhetischen Mitteln des Musiktheaters etwas, was man versuchsweise als Maskierung des Politischen durch das Private beschreiben könnte. Die historische Handlung besteht in einem Kriegsgeschehen und der Regelung der Thronfolge im Reich Israel, stellt diese aber als ein affektives Agieren unter Höflingen dar, das sich innerhalb privater und familiärer Beziehungen entfaltet. Niklas Luhmann beschrieb in <em>Liebe als Passion</em> für das 17. Jahrhundert einen „Umbau der Liebessemantik“: Liebesbeziehungen werden durch Leidenschaft, affektive Exzesse, Asymmetrie und Irrationalität charakterisiert. Das Begehren wird nicht aktiv ausgeübt, sondern die Liebenden sind ihm wehrlos unterworfen. Das aber ist eine Rhetorik, die den Vorwand dafür abgibt, „daß man sein Aktivsein nicht erklären, nicht begründen, nicht entschuldigen muß“. Entgegen der behaupteten Unfreiheit stellt die Passion eine gesellschaftliche Praxis zur freien Entfaltung von Möglichkeiten dar. Die kategorialen Trennlinien verlaufen dabei nicht (wie seit dem 19. Jahrhundert) zwischen der gleich- und der gegengeschlechtlichen Liebe, sondern vielmehr zwischen der Leidenschaft und der Ehe. Auch David und Jonathan sind in der Oper nicht schlechterdings schwul. David ist mit immerhin zwei Frauen verheiratet und Jonathan hat einen Sohn, den David nach seinem Tod an Kindes statt annehmen soll. <em>Amour passion</em> schließt so etwas wie Liebe in der Ehe aus. Zumindest wird das Verhältnis von Ehepartnern anders codiert, durch seelische Ausgeglichenheit, Tugend, Aufrichtigkeit und Selbstlosigkeit, das genaue Gegenteil von Leidenschaft und Exzess also. Als soziales System ist das völlig anders gedacht als unsere Ordnung, die auf einer Analogie von Hetero- und Homosexualität beruht – wonach schwule Beziehungen wie heterosexuelle Beziehungen seien, nur zwischen zwei Männern, weswegen der eine Partner die Rolle des Mannes und der andere die der Frau einnehmen müsse. Tatsächlich beruht die frühneuzeitliche Ordnung auf einer Analogie und Verähnlichung der gegengeschlechtlichen Ehe und der gleichgeschlechtlichen Freundschaft.</p><p>Fragt man mit Luhmanns Einsichten im Hinterkopf, warum nun ausgerechnet eine homoerotische Beziehung in einer höfischen Oper des 17. Jahrhunderts als besonders tugendhaft dargestellt wurde, während die praktizierte Homosexualität gleichzeitig als todeswürdiges Verbrechen galt, dann liegen die Gründe in einer ordnungsbildenden Absicht. Die Freundschaft bildet auf der Ebene personaler Beziehung den Raum für den offenen Austausch, die Solidarität und Rationalität, die für das Funktionieren einer Gesellschaft insgesamt als notwendig erachtet werden. Nun wissen wir, dass die Gesellschaft weder im 17. Jahrhundert noch zu einer anderen Zeit nach den Prinzipien der Tugend funktioniert hat. Wenn die Codierung der Liebe als <em>amour passion</em> einen Vorwand für Verhaltensfreiräume darstellt, wie Luhmann meint, dann gilt das unter umgekehrten Vorzeichen ebenso für die sentimentale Freundschaft, von der wir am Ende nicht wissen, ob sie nicht doch auf Verstellung und heimlichem Begehren beruhte.</p></div>
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	<p><span style="color: #808080;"><em>Titelbild: Unbekannter Stecher, David und Jonathan, Radierung, 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Graphik nach einer Vorlage des flämischen Malers Jacob Savery (um 1565/67–1603) schildert ein Kapitel aus der Geschichte von David und Jonathan (1 Samuel 20). Die gereimte Bildunterschrift hebt auf die exemplarische Freundschaft ab. Braunschweig, Herzog Anton Ulrich Museum, JHoffmann Verlag AB 3.1.</em></span></p></div>
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                <h4 class="position">Stellvertretender Leiter der Abteilung Historische Sammlungen und Bestandserhaltung</h4>
                <a class="name" href="https://www.hab.de/author/dr-sven-limbeck/">Dr. Sven Limbeck</a><br/>
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