Kirchenreform vor der Reformation

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Als junger Mönch und Theologieprofessor an der neu gegründeten Universität zu Wittenberg entdeckte Martin Luther die Kraft der von Tradition und scholastisch-aristotelischer Theologie unverstellten Lektüre in Bibel und Kirchenvätern. Sein frühestes Werk ist der „Wolfenbütteler Psalter“ mit durchgehender handschriftlicher Auslegung. Einzigartig ist auch das Thesenblatt gegen die scholastische Theologie, über das wenige Wochen vor den berühmten Ablassthesen in Wittenberg disputiert wurde. Die Krise der Kirche erreichte bald nach 1400 einen Höhepunkt: es gab drei Päpste, die sich gegenseitig bekämpften; der Tscheche Jan Hus äußerte massive Kritik an der reichen, verweltlichten Hierarchie. Reformkonzilien in Konstanz und Basel versuchten eine „Reform an Haupt und Gliedern“ – Hus endete auf dem Scheiterhaufen und das monarchische Papsttum siegte über kollegiale Strukturen. Zugleich kam es im Bereich der geistlichen Orden zu einer Rückbesinnung auf ursprüngliche Ideale, zum Teil zur Verinnerlichung der Frömmigkeit (‚Devotio moderna’).