Die Waise aus dem Hause Zhao – Wie die europäische Aufklärung ein Drama aus dem alten China rezipiert hat
Das Drama aus dem 13. Jahrhundert behandelt die in das Jahr 583 v. Chr. datierte tragische Geschichte vom Waisenkind Zhao: Die Episode von der Rache eines vertauschten Kindes, das ein herrschertreuer Vater rettet, indem er seinen eigenen Sohn opfert. ‚Die Waise von Zhao übt große Rache‘ (Zhaoshi gu’er da baochou) ist ein sogenanntes zaju, eine vieraktige Oper. In der Ming-Dynastie wurde diese um einen fünften Akt erweitert, der die blutige Rache des rechtmäßigen Prinzen an dem Usurpator zeigt. Die französische Übersetzung des Trauerspiels – die erste europäische Übertragung eines chinesischen Theaterstücks – erschien in Jean-Baptiste Du Haldes Ausführliche Darstellung des Chinesischen Reichs [Description de la Chine (1735), dt.]. Die ,andere‘ Dramenästhetik des chinesischen zaju rief im aufgeklärten Europa viele unterschiedliche Bearbeitungen hervor: Sie reichen von Pietro Metastasios oft vertontem Opernlibretto L’eroe cinese [Der chinesische Held (1755)] über Voltaires klassizistische Zurichtung L’Orphelin de la Chine (1755), diverse englische und deutsche Adaptationen bis hin zu Goethes Elpenor-Fragment (1784), in dem sich erstaunliche Analogien zu dem chinesischen Drama finden. Es ist nicht untypisch für einen Kulturtransfer, dass die neuere chinesische Adaptation des Dramas, der chinesische Film Sacrifice/ Wuji (2010) ihrerseits die europäische Rezeption produktiv verarbeitet.
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