Wolfenbüttel, 10.07.2026
Gertrud Benschner (09.02.1890 – 08.05.1945) war antisemitischer Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt. Ein Band aus ihrem Besitz wurde von der Herzog August Bibliothek als NS-Raubgut bewertet und an ihre Nachfahren übergeben.
Über den Buchbesitz von Gertrud Benschner ist wenig bekannt. Nach Aussage ihrer Enkelin soll sie über die größte Privatbibliothek in Wolfenbüttel verfügt und in ihrem Haus Soireen mit bekannten Musiker*innen, Künstler*innen und Autor*innen ausgerichtet haben. Zu ihrer Bibliothek gehörte auch das nun restituierte Buch „Expressionismus“ von Hermann Bahr aus dem Münchner Delphin-Verlag (mit 20 Tafeln, 3. Aufl. München 1919. Signatur: 5.8° 87).
Ihre Familie lebte bis 1937 in Wolfenbüttel in einer Wohnung am Großen Zimmerhof Nummer 1, von wo aus Gertrud Benschner 1938 nach Lippstadt zog. Am 28. April 1942 wurde sie in das Ghetto Zamość deportiert, von dort aus in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Ihre zwei Söhne konnten über unterschiedliche Wege fliehen und überlebten in Israel und Schweden.
Das betreffende Buch wurde von der Herzog August Bibliothek 1955 als „Geschenk, Samson-Bibliothek“ verzeichnet. Es trägt außer dem Exlibris und dem handschriftlichen Besitzvermerks von Gertrud Benschner keine weiteren Provenienzmerkmale. Anders als die übrigen Bände aus der Samsonschule weist es weder eine Signatur noch einen der bekannten Stempel oder ein Rückenschild auf. Eine Zuordnung zum Bestand der Samsonschule ist daher nicht möglich. Aufgrund dieser Befunde und des historischen Kontexts ist von einem NS-verfolgungsbedingten Entzug auszugehen.
Die Provenienz des Buches wurde im Rahmen des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projektes „NS-Raubgut unter den Zugängen der Herzog August Bibliothek 1933-1969“ ermittelt.
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