Durch die optimierte Darstellung wird den Nutzer*innen eine flüssigere und schnellere Arbeitsweise im Hinblick auf die Vorschauansicht, das Blättern und Zoomen in den Handschriften oder die Auswahl entsprechender Seiten ermöglicht. Diese Optimierung war notwendig, weil die Digitalisate auf unterschiedlichen Servern lagern und es zu zeitlich verzögerter Darstellung kam.

„Zentral ist, dass jetzt alle Digitalisate im Rahmen des Projekts auf demselben Stand sind und dies auch für alle Nutzer*innen der Website sichtbar ist“, sagt Jörg Busse-Hagen, Stellvertretender Leiter der Stabsstelle EDV der HAB. Die Beschleunigung der Darstellung wird nicht nur von den Projektkolleg*innen aus Oxford positiv bewertet. „Der optimierte IIIF-Imageserver ermöglicht ein schnelleres Laden der 257 bisher digitalisierten Handschriften. Miniaturansichten und einzelne Seiten werden innerhalb weniger Sekunden geladen und gerendert. Für gelegentliche Besucher*innen als auch Forscher*innen bietet sich ein herausragendes Browser-Erlebnis“, kommentiert Dr. Lisa Fagin Davis, Exekutivdirektorin der Medieval Academy of America, die Optimierung. „Die Handschriften können mithilfe des einfachen Drag-and-Drop-IIIF-Symbols in jedem beliebigen Viewer gespiegelt werden. Die Digitalisate werden nahezu augenblicklich angezeigt. Das erleichtert den Vergleich von Polonsky-Handschriften mit den IIIF-gelieferten Bildern von Handschriften aus anderen Sammlungen enorm. Die Wirkung des Forschungsprojektes wird so erheblich erweitert.“

Für die Optimierung ist durch die EDV-Abteilung neben dem grundlegenden Verständnis von Bildkomprimierung und Visualisierung vor allem auf Kenntnisse zu Linux, zum Apache-Webserver und davon im speziellen das FastCGI-Modul, zum Memcached-Cacheserver, zum IIPImage-Server sowie zum OpenJPEG-Codec und zu Intel AVX2 zurückgegriffen worden. „Mittels des FastCGI-Moduls ist die Anzahl der gleichzeitig ausführbaren Instanzen erhöht worden. Anschließend wurde das Caching aktiviert und das Memcached-Modul hinzugefügt und so konfiguriert, dass die Anfragen im Cache-Arbeitsspeicher möglichst schnell bearbeitet werden. Dabei handelt es sich beispielsweise um Anfragen wie die Vorschauansicht der Digitalisate“, schildert Jörg Busse-Hagen seine Vorgehensweise. „Im letzten Schritt der Optimierung haben wir den OpenJPEG-Codec neu kompiliert, das heißt in Verbindung mit einer AVX2-Befehlssatzunterstützung neu übersetzt. Die Befehle wurden im letzten Schritt technisch so verankert, dass die Digitalisate durch den IIIF-Imageserver künftig auch einem größeren Besucheransturm auf der Website standhalten.“

 

Der IIIF-Standard ermöglicht eine weltweite Verbreitung und den Zugriff auf historisch wertvolle Kulturgüter wie die Handschriften aus dem internationalen Kooperationsprojekt „Handschriften aus dem deutschen Sprachraum“.

Noch bis 2021 sollen die insgesamt rund 600 Handschriften mittels des IIIF-Standards im Rahmen des Polonsky-Projekts vollständig digitalisiert sein. Als International Image Interoperability Framework (IIIF) wird ein technischer Standard bezeichnet, der einen einheitlichen und weltweiten Zugang zu bildbasierten Kulturgütern über Grenzen hinaus ermöglicht. Damit sorgt der IIIF-Standard für eine einzigartige Interoperabilität, die einen institutionsübergreifenden Austausch von digitalen Objekten unabhängig von ihrem Standort und von der Verwendung eines spezifischen Viewers im Internet ermöglicht.

Als von der Polonsky-Stiftung gefördertes Kooperationsprojekt zwischen den Bodleian Libraries und der Herzog August Bibliothek sind bis heute nach einer ersten Zwischenbilanz bereits mehrere Hundert mittelalterliche Handschriften aus deutschen Klosterbibliotheken digitalisiert und mit ihren Erschließungsdaten frei online verfügbar gestellt worden.

Weitere Informationen zum Kooperationsprojekt finden Sie hier.