Die Biographie Herzogin Hedwigs, geb. Prinzessin von Brandenburg (1540‒1602), ist sogar nur in Bruchstücken bekannt. Dabei ist die Quellenlage gar nicht schlecht, denn schon aus der Verlobungszeit des seit 1560 verheirateten Paares sind Briefe erhalten, Briefwechsel begleiteten die Ehe bis zum Tod des Fürsten, und als Witwe korrespondierte die Herzogin weiter. Der Inhalt der Briefe bietet Einblick in die männliche/weibliche Schreibpraxis, informiert über Ausbildung und Interessen des protestantischen Fürstenpaares, konturiert Einschränkungen durch soziale Rollen ‒ und ist damit anschlussfähig an aktuelle literaturwissenschaftliche und kulturhistorische Diskussionen.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Das umfangreiche Briefkorpus enthält Material zur Rekonstruktion historischer Korrespondenznetzwerke. Dazu gehörte ein familiär-dynastisches Netzwerk, das sich zwischen dem Wolfenbütteler Hof und der Residenz der Hohenzollern in Cölln an der Spree erstreckte. Bücher und Briefe kursierten auch zwischen Wolfenbüttel und Wolgast, wo die älteste Tochter Sophia Hedwig (1561‒1631) seit ihrer Heirat mit Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast (1545‒1592) residierte, bevor sie an ihrem Witwensitz Loitz eine Kirchenbibliothek gründete. Enge Kontakte bestanden zu Herzogin Sophia von Braunschweig-Lüneburg auf dem Witwensitz Schöningen oder zum Hof Augusts und Annas von Sachsen in Dresden. Herzogin Hedwig, Gründerin der Wolfenbütteler Hofapotheke, korrespondierte mit Herzoginnen und Gräfinnen, die sich für die medizinische Praxis interessierten. Mit dem Inhalt dieser Briefe lassen sich Studien zum Wissenstransfer von Fürstinnen und zur Partizipation von Frauen an der gelehrten Welt fortschreiben. Eine Rekonstruktion gemeinsamer und individueller Aktivitäten eines Fürstenpaares aufgrund von Informationen in erhaltenen Briefen ist für die Erforschung des 16. Jahrhunderts innovativ. Ergebnisse der Lektüre werden in einer Monographie publiziert, die auch Editionen ausgewählter Briefe enthält.

Finanzierung: PRO*Niedersachsen (MWK) ‒ „Eigene Stelle“
Laufzeit: Oktober 2020 ‒ September 2023
Projektbeteiligte: PD Dr. Britta-Juliane Kruse