Sklaven und Archive/ Deutsche Sklavenhalter und ihre Sklavinnen

Ich arbeite an einem Buch zum Thema „Sklaven und Archive“. Das Buch soll die fundamentale Bedeutung von Kolonialarchiven und Bibliotheken für die Geschichte der atlantischen Sklaverei sowie der Versklavten nachweisen. Unter atlantischer Sklaverei verstehe ich in Afrika versklavte Menschen, die auf amerikanischen oder europäischen Schiffen über den Atlantik in die Amerikas verschleppt worden sind (rund 11 Millionen 1450-1900). Daneben gab es weitere Sklavereien, deren Geschichte ebenfalls in kolonialen Archiven aller Ebenen (von der imperialen Ebene, wie der Archivo de Indias in Sevilla oder The National Archive in London (Kew), über nationale Archive bis hin zu Provinz- und Lokalarchiven) festgehalten sind. Die so genannten slave narratives spielen für die Geschichte der Versklavten eine wichtige Rolle. Allerdings sind sie meist erst nach dem formalen Ende der jeweiligen „nationalen“ Sklavereien entstanden (um nur die wichtigsten zu nennen: USA 1865, Kuba 1886, Brasilien 1888). Auch Geschichte der ehemals Versklavten und ihrer Nachkommen bedarf der Archive. Das Buch wird auch ein Kapitel zur afrikanischen Herkunftskultur von Anton Wilhelm Amo (1707-c.1721 in und um Braunschweig-Wolfenbüttel sowie Wittenberg, Halle und Jena) und ihren Sklaverei-Regimes enthalten. Einen Sonderbereich meiner Forschungen bildet das Thema „Deutsche Sklavenhalter und ihre Sklavinnen“. Es ist noch nicht ganz klar, ob es mehrere Kapitel unter dem oben genannten Titel oder eine eigenständige Buchpublikation werden wird. Die Ausgangshypothese ist hier, dass deutschsprachige Unternehmer, oft Kaufleute, die amerikanischen Sklavereien als erstrangige Profitquelle nutzen. Den alten kreolischen Eliten in den Amerikas galten sie als nützliche Emporkömmlinge. Die Eliten verhinderten die soziale Integration der reichen Ausländer (extranjeros). Sehr viele deutschsprachige Unternehmer besaßen Sklaven und Sklavinnen. Viele von ihnen hatten junge Sklavinnen als informelle Geliebte. Diesen „geliebten Sklavinnen“ und den gemeinsamen Kindern vererbten die Unternehmer oft erhebliche Werte, natürlich nachdem diese frei gelassen worden waren bzw. die Vererber gestorben waren.