Wolfenbüttel, 13.02.2026
Mit „Kadenz“ legt Catugier ein innovatives Konzept vor, in dem das Künstlerbuch als dreidimensionaler, aktiv erfahrbarer Raum verstanden wird. Traditionelle Lesereihenfolgen und textuelle Hierarchien sollen aufgehoben werden, um stattdessen ein offenes, performatives Erlebnis zu schaffen. Innerhalb dieses Formats entfaltet das Buch eine eigene „Architektur“: Es verknüpft Archivbilder, Fotografien vor Ort und meditative Klangkompositionen zu einem architektonischen Portrait der Herzog August Bibliothek. Catugier möchte in „Kadenz“ nicht nur die Architektur der HAB erforschen, sondern reflektiert zugleich den Platz und Wert von Bibliotheken in der Gesellschaft: „Mein Werk soll das Bewusstsein für das architektonische Erbe der Bibliothek schärfen und gleichzeitig Bibliotheken im Allgemeinen als unverzichtbare Orte des Wissensschutzes würdigen. In einer Gesellschaft, die die Entmaterialisierung fördert, ermöglicht dieses Projekt eine Rückbesinnung auf physische und menschliche Bezugspunkte.“
Der Künstlerbuchpreis wird seit 2018 gemeinsam von der Herzog August Bibliothek und der Curt Mast Jägermeister Stiftung vergeben.
Neben der Dotierung von 6.000 € eröffnet sich für Laure Catugier nun die Möglichkeit, bis zu einem Monat an der Bibliothek zu arbeiten und ein aus den Beständen der HAB inspiriertes Werk zu fertigen, das anschließend in einer feierlichen Preisverleihung der Öffentlichkeit präsentiert wird. Die Künstlerin (*1982, Toulouse) lebt und arbeitet in Berlin. Sie hat Architektur an der École Nationale Supérieure d’Architecture de Toulouse sowie Kunst und Design an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts de Toulouse studiert und verbindet in ihrer Arbeit diese beiden Felder miteinander. Catugier arbeitet interdisziplinär in den Bereichen Fotografie, Video, Installation, Klang und Objektkunst. Ihre Projekte wurden seit 2013 international gezeigt, unter anderem in Berlin, Paris, London, Seoul und Dallas sowie auf mehreren Biennalen und Kunstfestivals. Sie erhielt u. a. den Celeste Prize und war Teil des Goldrausch Künstlerinnenprojekts in Berlin. Ihr Werk hinterfragt Wahrnehmung, Raum und die Rolle moderner Architektur in gesellschaftlichen Kontexten.
Die Jury zeichnet „Kadenz“ als experimentelles und zugleich publikumswirksames Projekt aus, das die Möglichkeiten des Künstlerbuchs konsequent erweitert. Besonders überzeugte die Verbindung von Buchobjekt, performativer Praxis und Klangkunst, die das Künstlerbuch auf innovative und sinnliche Weise erfahrbar macht.
Für den Künstlerbuchpreis 2026 lagen 26 Projektideen vor. Es gab Einreichungen aus Deutschland sowie internationale Bewerbungen von Künstler*innen aus den USA, der Karibik, Nordafrika, Frankreich, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich.
Foto: Laure Catugier. © Pier2 AIR
