Was bleibt vom Feminismus, wenn es um Liebe, Fortpflanzung und Macht geht? In „Anti Müller“ nimmt Yade Yasemin Önder die Widersprüche moderner Beziehungen und eines vermeintlich aufgeklärten Kulturbetriebs in den Blick.
Im Zentrum des Romans eine 35-jährige Autorin, die nach dem Scheitern ihrer langjährigen Beziehung vor den Trümmern eines aufgeschobenen Kinderwunsches steht. Während sie sich durch Tinder-Dates, Affären und eine Gesellschaft bewegt, die Gleichberechtigung verspricht, aber alte Muster fortsetzt, wächst ihre Sehnsucht nach einem Kind zur Obsession. „Anti Müller“ erzählt von performativ-feministischen Männern, von Verantwortungsverweigerung in Beziehungen und vom biologischen Zeitdruck, dem Frauen ausgesetzt sind. Dabei verbindet Önder bissigen Humor mit scharfer Gesellschaftsanalyse und zeichnet das Porträt einer Frau, die zunehmend bereit ist, Grenzen zu überschreiten.
Yade Yasemin Önder studierte nach dem Abitur auf zweitem Bildungsweg Literatur- und Erziehungswissenschaften an der HU Berlin, Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Ihr erstes Theaterstück »Kartonage« wurde 2017 am Wiener Burgtheater uraufgeführt. Ihr Debütroman „Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron“ (2022, KiWi) wurde mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE und dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den ZDFaspekte-Literaturpreis.
„Anti Müller“ steht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2026.
Die Lesung war Teil unserer Reihe „HAB gelesen“. Sie möchten mehr wissen? Hier gibt es alle Infos!
HAB gehört ist eine Produktion der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.
Redaktion und Moderation: Marie Adler
Sounddesign: Klingebiel Creative
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Foto: © Julia Sellmann
