Ziel des Projektes ist es, Informationen über die Praxis der Mehrstimmigkeit in Nordeuropa (mit Schwerpunkt auf Schottland, Island und Dänemark) im Mittelalter, insbesondere der Jahre 1200 bis 1400, zusammenzutragen. Ausgehend von erhaltenen Quellen gab es in diesen Gebieten eine lebendige Praxis der Mehrstimmigkeit, die viele verschiedene Formen annahm, von einer “hohen” Tradition der mensuralen Musik bis hin zu dem, was verschiedentlich als “einfache” oder “nicht mensurale” Polyphonie bezeichnet wird. Eine Untersuchung der relevanten Quellen und des Repertoires wird schon deshalb von Wert sein, weil die betreffenden Orte oft als “Randgebiete” angesehen werden und der anhaltenden wissenschaftlichen Aufmerksamkeit bisher weniger würdig zu sein schienen. Eine der wichtigsten Quellen für mittelalterliche Mehrstimmigkeit ist eine Handschrift, die in der Herzog August Bibliothek aufbewahrt ist: Cod. Guelf. 628 Helmst. (“W1”) die bis in die 1550er Jahre der St. Andrews Priory in Schottland gehörte. Diese Handschrift wird eine Schlüsselquelle meines Forschungsprojektes sein, da sie die Praxis der mittelalterlichen Mehrstimmigkeit in einem unerwartet “peripheren” Umfeld zeigt.

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