Wolfenbüttel, 24.1.2024

Es handelt sich um Werke, die Anfang der 1980er Jahre im antiquarischen Buchhandel erworben wurden: Albert Schramms „Deutschlands Verlagsbuchhandel“ (Leipzig 1925), „Hundert Jahre Buchverlag“ (Düsseldorf 1921) und Anton Mengers „Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus“ (Berlin 1871). Aufgrund ihrer Provenienzmerkmale wie Stempel und Notizen konnten sie als Bestandteile der ehemaligen Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek bei der Arbeiterkammer in Wien identifiziert werden.

„Es ist eine symbolische Wiedergutmachung einer von den Nazis geplanten kulturellen Auslöschung“, sagt Ute Wödl, Leiterin der AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften. Die Bibliothek der Arbeiterkammer war ein frühes Ziel der Nazis und symbolisierte einen Angriff auf die kulturelle Identität der Arbeitnehmerbewegung. Nach der NS-Herrschaft waren von den ursprünglich 160.000 Büchern nur noch etwa 35.000 auffindbar, da ein Großteil des Bestands zerstört oder an unbekannte Orte verteilt wurde.

Die NS-Raubgut-Forschung an der Herzog August Bibliothek (HAB) beginnt mit der Analyse von Objekten und Provenienzmerkmalen. Dabei ist die Identifizierung von Personen und Institutionen sowie Recherchen zu ihren Schicksalen während des Nationalsozialismus entscheidend. Bei Hinweisen auf eine Verfolgungsgeschichte startet eine umfangreiche historische Detektivarbeit. Bücher mit individuellen Geschichten von Raub und Entziehung sind auch heute, fast acht Jahrzehnte nach der Befreiung vom Nationalsozialismus, greifbare Zeugnisse dieses begangenen Unrechts. Im Falle von NS-Raubgut strebt die HAB gemäß den Washingtoner Prinzipien „gerechte und faire Lösungen“ an. Das Projekt „NS-Raubgut unter den antiquarischen Erwerbungen der HAB seit 1969“ wurde vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert. Die HAB setzt die Bemühungen in diesem Forschungsbereich durch das Nachfolgeprojekt „NS-Raubgut unter den Zugängen der Herzog August Bibliothek 1933–1969“.


Abbildung: Anhand des Etiketts der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek bei der Arbeiterkammer in Wien konnte der Band als NS-Raubgut identifiziert und in der Folge an die rechtmäßige Eigentümerin, die AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften, restituiert werden. (Foto: HAB)