Im Zuge der Washingtoner Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust (1998) und im Rahmen der Gemeinsamen Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes (1999) sowie zuletzt der Theresienstädter Erklärung (2009) haben sich die Träger öffentlich finanzierter Gedächtnisinstitutionen in besonderem Maße der Erforschung der Provenienzen ihrer Bestände in der Zeit des Nationalsozialismus verschrieben. Mit dem aktuellen Projekt möchte die Herzog August Bibliothek ihren Beitrag zu dieser Verpflichtung leisten und Erkenntnisse über NS-verfolgungsbedingt entzogene Objekte in ihren Sammlungen gewinnen.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die antiquarischen Zugänge der Bibliothek aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hierbei handelt es sich einerseits um Einzelerwerbungen und geschlossen übernommene Sammlungen älterer Literatur seit 1969; andererseits werden gezielt die Bestandsergänzungen im Bereich der Drucke des 17. Jahrhunderts ins Auge gefasst, wie sie seit 1990 im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke getätigt wurden. Die entsprechenden Bestandsgruppen mit einem Umfang von ca. 30.000 Bänden sollen im Zuge des Projekts systematisch auf Provenienzen überprüft werden, die einen Zusammenhang mit Tatbeständen der Verfolgung durch den NS-Staat nahelegen. Ggf. vorhandene Fälle von NS-Raubgut im Bestand der Herzog August Bibliothek sollen umfassend beschrieben und, wo immer möglich, gerechten und fairen (Restitutions-)Lösungen zugeführt werden.

Die Dokumentation der Rechercheergebnisse des Projekts erfolgt kontinuierlich im Rahmen des lokalen Bibliothekskatalogs bzw. des Verbundkatalogs sowie – bei erhärtetem NS-Raubgut-Verdacht – in der Objektdatenbank Lost Art und der Forschungsdatenbank Proveana des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste.

PURL: http://diglib.hab.de/?link=108

Finanzierung: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
Laufzeit: Oktober 2020 – September 2022
Projektbeteiligte: Dr. Johannes Mangei (Kontakt), Christine Rüth (Bearbeiterin)