,Unkraut‘ bildete im deutschen Sprachraum der Frühen Neuzeit einen in vielen Bereichen genutzten, für religiöse und politische Debatten wie botanische und hortikulturelle Praktiken wichtigen Begriff. Ein explorativer Workshop soll am 23. Januar 2026 an der HAB erste Perspektiven der Thematik mit wissens- und wissenschaftshistorischen, kirchen-, literatur- und kunstgeschichtlichen Ansätzen erschließen.

Im Lateinischen und den romanischen Sprachen existierte keine einheitliche Bezeichnung für ,unerwünschte‘ Pflanzen, sondern herba wurden nur graduell qualifiziert. Das Mittelhochdeutsche kennt dann allerdings das unkrût. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde es durch Luthers Bibelübersetzung stark popularisiert – seine Nutzung im Gleichnis zum Unkraut unter dem Weizen induzierte eine bemerkenswerte Konjunktur in der Theologie genauso wie in Texten zu Politik und Gesellschaft. Die mit der eschatologische Aufladung des Begriffes einhergehenden ästhetisch-moralische Unterteilung in „gute“, „edle“, „schöne“ und „böse“, „schlechte“, „giftige“ Pflanzen prägte in den folgenden Jahrhunderten die zunehmend metaphorische Begriffsnutzung, über die nicht zuletzt konfessionelle Divergenz artikuliert und zur Bekämpfung häretischer Glaubensrichtungen aufgerufen wurde. Es avancierte geradezu zum Kampfbegriff.

Das vorläufige Programm finden Sie im Downloadbereich.


Bildbeschreibung: “Herbarium Ruperti, Bd. 1 (HAB: Cod. Guelf. 153 Noviss. 4), fol. 16: Kornrade (Agrostemma githado, bei Ruperti: Nigellastrum Pseudomelanthium J.B. nach Jean Bauhin). Die Kornrade galt ihrer giftigen Samen wegen die gesamte Frühe Neuzeit hindurch als gefährliches Ackerunkraut und wurde in Teilen Europas auch mit biblischem “Unkraut” identifiziert.”