Lessing in Wolfenbüttel

Am 7. Mai 1770 wurde Gotthold Ephraim Lessing als Bibliothekar in Wolfenbüttel vereidigt. Er bezog zunächst die Räume des Erbprinzen im Wolfenbütteler Schloss, das seit dem Umzug von Herzog und Hof nach Braunschweig Mitte des Jahrhunderts leer stand. Hier vollendete er das Schauspiel Emilia Galotti, das 1772 in Braunschweig uraufgeführt wurde. Unter dem Titel Zur Geschichte und Literatur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek Wolfenbüttel gab Lessing ab 1773 eine eigene Zeitschrift heraus.

1775 reiste er über Berlin, Leipzig, Dresden und Wien nach Italien. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Hofrat ernannt und konnte endlich Eva König heiraten, die er 1767 in Hamburg kennengelernt hatte. Im Oktober 1776 bezog er mit ihr das Meißnerhaus (Schlossplatz 2).

Für Lessing wurde dann das Haus neben der Bibliotheksrotunde renoviert. Er bezog es mit seiner schwangeren Frau kurz vor Weihnachten 1777. An Weihnachten wurde ihr gemeinsamer Sohn geboren und verstarb. Eva Lessing verstarb wenig später, am 10. Januar 1778. Fortan arbeitete Lessing in dem Sterbezimmer seiner Frau. Als Lessing 1778 seinen Streit mit dem Hamburger Hauptpastor Goetze um die „Wolfenbütteler Fragmente“ beilegen musste, begann er die Ausarbeitung seines Dramas Nathan der Weise (das 1783 in Berlin uraufgeführt wurde). Am 15.  Februar 1781 starb Lessing in Braunschweig, wo er sich oft aufhielt und auch eine Wohnung hatte.

 

 

Geschichte des Lessinghauses

Bald nach seinem Regierungsantritt 1735 errichtete Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel neben dem Bibliotheksgebäude ein fürstliches Dienerhaus, das er 1740 seinem Oberkammerdiener Schäffer schenkte. Das dreiflügelige Haus wurde nach Schäffers Tod von seinem Schwiegersohn, dem Hofgerichtssekretär Grasshof, bewohnt, der es am 1. Juli 1777 räumte. Für Lessing wurde das Haus für über 1000 Taler renoviert. Lessing lebte dort vom Winter 1777 bis zu seinem Tod 1781.

Das Haus diente anschließend bis 1884 als Bibliothekarswohnung für Lessings Nachfolger in diesem Amt. Der Bibliothekar Otto von Heinemann räumte das Haus 1884 wegen Baufälligkeit. Inzwischen wurden der Neubau der Bibliothek und ein neues Direktorhaus in der Lessingstraße errichtet. Im August 1887 wurde die Bibliotheksrotunde nach der Fertigstellung des Neubaus der Bibliothek abgerissen. Der ursprünglich vorgesehene Abriss des Lessinghauses unterblieb.

1890 bezog das Wasserstraßenamt das Haus, danach das Staatliche Bauamt. 1929 wurden 3 Räume im Nordflügel als Lessing-Gedenkstätte eingerichtet; sie wurden 1958 renoviert. Erst seit 1968 gehört das Lessinghaus wieder zur Herzog August Bibliothek. 1978 wurde es als Museum eröffnet, mit zwei Gästeapartments für Wissenschaftler*innen im Westflügel. Seit April 2004 wird eine neu konzipierte Ausstellung gezeigt.