Februar 2024: Buch des Monats der AG Sammlung Deutscher Drucke

Jeden Monat präsentiert die AG Sammlung Deutscher Drucke eine besondere Neuerwerbung aus einer der beteiligten Bibliotheken. In diesem Februar wurde die kleine Einführung in die lateinische Grammatik (Xb 12° 582) ausgewählt, die die Herzog August Bibliothek als Nationalbibliothek für das 17. Jahrhundert erwerben konnte.

Dieses Lehrbuch ist unikal und wurde spezifisch für den jung verstorbenen Habsburger Karl Joseph (1649-1664) gedruckt. Ein Textvergleich zeigt jedoch, dass es sich in Wahrheit um einen „umgewidmeten“ Nachdruck der ursprünglich für Königin Christina von Schweden (1626-1689) verfassten „Ratio discendi linguam latinam pro Christina … regina designata“ handelt.

Mehr zum Buch des Monats hier!

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Titelblatt der Grammatica mit vollständigem Titel: „Grammatica Principum Sive Facilis & compendiosa Ratio Discendi linguæ Latinæ Præcepta, In Usum Serenissimi Principis Caroli Josephi Archiducis Austriæ, In hanc formam redacta. Viennæ: Typis Matthæi Cosmerovii, S.C.M. Typographi.“

Mai 2023: Lessings kleine Schrift "Das Testament von Johannis. Ein Gespräch" von 1777

Lessings kleine Schrift "Das Testament von Johannis. Ein Gespräch" von 1777 kommt im Exemplar Lo 4619 nicht nur frisch - in "rohen Bögen" (also unbeschnitten und ohne Heftung) - aus der Druckerpresse, es gibt sogar noch eine handschriftliche Kostenabrechnung für "das Druckelohn" von 1.500 Exemplaren auf "groß Papier".

Christoph Boveland
Christoph Boveland Abteilung Alte Drucke

Die transkribierte Notiz: "W[aisenhaus] Buchhandlung. Hirvon sind 1500 auf groß Papier abgedruckt, das Druckelohn davon beträgt - 3 rth. 24 g. Br[aunschweig] den 27. Dec. 1777 [Monogramm]"

Neben dem Exemplar auf "groß Papier" gibt es auch noch eine satzidentische Auflage auf kleinerem Papier (z. B. Exemplar Lo 4612 (10)). Die Auflagen unterscheiden sich nur im Abstand der Kolumnen. Aber wenigstens die Höhe der Auflage auf großen Bögen ist bekannt - was nur sehr selten der Fall ist.

Das Testament Johannis. Ein Gespräch.
Die handschriftliche Notiz zum „Druckelohn“

Mai 2023: Tagin - gekrönte Buchstaben in heiligen Schriften

Dr. Zina Cohen, Mitarbeiterin der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM), untersuchte die Tinte von zwei Torarollen des 15. und 16. Jh. (Cod. Guelf. 148 und 149 Noviss. 2°) mit Hilfe der Röntgenfluoreszenz-Analyse (RFA).

Mit dieser Technik lassen sich Unterschiede in der Zusammensetzung der verwendeten Eisengallustinten feststellen. Denn mit dem bloßen Auge ist nicht sichtbar, ob beispielsweise die geheimnisvollen "Krönchen" auf manchen Buchstaben - die sogenannten Tagin - während des Schreibens der Tora oder erst in einer späteren Bearbeitungsphase hinzugefügt wurden. Tatsächlich finden sich in Torarollen eine Vielzahl von Schichten des Schreibens, Korrigierens und Nachbesserns, die durch instrumentelle, aber auch philologische und paläographische Untersuchungen im Rahmen eines interdisziplinären Projekts erforscht werden.

Dr. Zina Cohen bei der Untersuchung der Tora Rollen
Dr. Zina Cohen bei der Untersuchung der Tora Rollen

April 2023: Der Stein der Weisen?

Im Zuge des DFG-Projekts "Epistemischer Wandel: Stadien der frühneuzeitlichen Alchemie" hat die HAB Materialproben aus einer hauseigenen Handschrift (Cod. Guelf. 9 Noviss 2°) im Braunschweiger Fraunhofer Institut analysieren lassen.

PD Dr. Ute Frietsch
PD Dr. Ute Frietsch

In einem Konvolut mit alchemischen Handschriften der HAB befinden sich geheimnisvolle Materialproben in einem kleinen Papierumschlag. Um was handelt es sich dabei? Ist es gar der legendäre Stein der Weisen, der unedle Metalle in Gold und Silber verwandeln kann? Auch wenn letzteres eher unwahrscheinlich ist, wurden die kleinen Kristalle anlässlich des HAB-Forschungsprojekts „Epistemischer Wandel: Stadien der frühneuzeitlichen Alchemie“ im Braunschweiger Fraunhofer Institut für Schicht und Oberflächentechnik analysiert.

Steine in Nahaufnahme
Aufnahme des untersuchten Materials.

In weiterer Auswertung entpuppten sich die Steinchen der Weisen als ein Gemisch von Blei, Bleinitrat und Bleioxid mit Spuren von Nickeloxid. Die Probe weist erstaunlich viel elementares Blei auf. Das Gemisch findet sich in der Natur so nicht, da Blei selten und Bleinitrat wasserlöslich ist und Nickel in der Regel vermischt mit anderen Metallen, wie etwa Eisen, vorkommt, die in der Probe nicht enthalten sind. Das Gemisch dürfte demnach alchemisch hergestellt worden sein. Blei wurde alchemisch als ein Ausgangsmaterial zur Herstellung von Gold betrachtet, weil es ähnlich schwer und weich ist wie dieses. PD Dr. Ute Frietsch arbeitet an einer Rekonstruktion des authentischen Kontexts der Probe. Beratend tätig war der Chemiker Dr. Alexander Kraft (Gotha).